# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1912_S9 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1912. 9 Lehren in der chriſtlichen Kirche den Grundſatz auf: „So jemand redet, daß er's rede als Gottes Wort“, 1 Petr. 4, 11. Die Einigkeit der chriſtlichen Kirche bei aller Verſchiedenheit der Verhältniſſe, Zeiten, Völker und Zungen beſteht in ihrem Feſthalten an dem Wort Chriſti und ihre Zertrennung in der Abweichung von dieſem Wort. Um dieſe Einigkeit zu erhalten und der Trennung zu wehren, ſendet daher der Apoſtel Paulus, wo immer er ſich befand, an die Gemeinden und an ihre Lehrer die Botſchaft und Mahnung, ja nicht „anders zu lehren“, ſondern unverrückt feſtzuhalten an dem Vorbild der heilſamen Worte, die ſie von den Apoſteln Chriſti gelernt haben. Von Athen ſchreibt er nach Theſſalonich: „Haltet an den Satzungen, die ihr gelehret ſeid, es ſei durch unſer Wort oder Epiſtel“, 2 Theſſ. 2, 15. Timotheus ließ er zu Epheſus, um etlichen zu gebieten, daß ſie „nicht anders lehreten“, 1 Tim. 1, 3. Von Korinth ſchreibt er nach Rom: „Weichet von denen, die anders lehren!“ Röm. 16, 17. Von Rom ſchreibt er nach Gala⸗ tien und ſtraft die Galater, daß ſie ſich haben abwenden laſſen auf ein ander Evangelium, ſo doch kein anderes iſt, Gal. 1, 6 ff. Und als er von Europa nach Jeruſalem zurückreiſt, beruft er die Älteſten der Ge⸗ meinde von Epheſus nach Milet und warnt ſie vor Leuten, die aus der eigenen Mitte ſich erheben und verkehrte Lehren reden würden, die Jünger an ſich zu ziehen, Apoſt. 20, 29 f. Hieraus erhellt nun ganz klar, auf wen, wenn die Lehre in Be⸗ tracht kommt, die Schuld der Trennung in der chriſtlichen Kirche fällt, nämlich nicht auf diejenigen, welche an der Lehre der Apoſtel unver⸗ rücklich feſthalten, ſondern ſtets auf die, die davon abweichen und anders lehren. Wir Lutheraner von der Synodalkonferenz ſind nun deſſen gewiß und haben es vor der Kirche bewieſen, daß unſere Lehre, ſonder⸗ lich auch in den in Streit gezogenen Punkten, nicht eigenes Wort, ſon⸗ dern Gottes Wort iſt. Wir konnten und können in allen Punkten den Finger auf Gottes Wort legen und ſagen: „So ſteht geſchrieben.“ Es iſt eine völlige Umkehrung des bibliſchen Sprachgebrauchs, wenn man behauptet, daß wir durch unſer Dringen auf die reine, unverfälſchte Lehre des Wortes Gottes Trennung in der Kirche anrichten und auf⸗ rechterhalten. Man beanſprucht ſonderlich zu unſerer Zeit „Lehrfrei⸗ heit“. Lehrfreiheit gibt es im Staat, weil es nicht Sache des Staates iſt, die chriſtliche Kirche zu lehren und zu regieren. Es gibt aber keine Lehrfreiheit in der chriſtlichen Kirche, weil in der chriſtlichen Kirche nach Gottes Befehl und Ordnung jeder, der lehrend auftritt, Gottes Wort reden ſoll. Wer in der chriſtlichen Kirche Lehrfreiheit für ſich in Anſpruch nimmt, beanſprucht damit das Recht, Trennung in der chriſtlichen Kirche anzurichten und ſich neben Chriſto und wider Chri⸗ ſtum zu einem Haupt und Regenten in der Kirche aufzuwerfen. Doch damit ſind wir ſchon zu dem zweiten Punkt gekommen, über den wir uns von dem Apoſtel Paulus belehren laſſen wollten, näm⸗ lich, wie die Trennung zu beurteilen ſei.