# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1910_S60 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 60 Verhandlungen der dreiundzwanzigſten Verſammlung 2. Nach der jetzigen Perikopenreihe allein iſt es ſchwer, über alle Lehren der Heiligen Schrift zu predigen, denn viele Lehren werden darin wenig oder gar nicht berückſichtigt (Beiſpiele: die Lehre von den Sakramenten, von der perſönlichen Vereinigung, von der Gnadenwahl). Soll es dennoch geſchehen, ſo muß dem Texte Gewalt angetan und die Sache gleichſam bei den Haaren herbeigezogen werden. 3. Der Ausweg, daß man Freitexte zu Hilfe nimmt, führt zu allerlei Unordnung. Es erfordert zunächſt ein fortwährendes Suchen nach Texten. Es werden dabei auch ſehr leicht die wirklichen Bedürf⸗ niſſe der Gemeinde aus den Augen gelaſſen und Lieblingstexte gewählt. Endlich iſt auch die Gemeinde immer in Ungewißheit, worüber gepredigt wird, bis der Text verleſen iſt. 4. Die verhältnismäßig geringe Anzahl von Texten, die uns in den jetzigen Perikopen zur Verfügung ſteht, führt gar leicht dazu, daß Paſtoren nicht, wie ſie doch ſollten, der Gemeinde den ganzen Rat Gottes verkündigen, ſondern in ein gewiſſes Fahrwaſſer kommen, mono⸗ ton werden und ſich in Allgemeinheiten ergehen, wodurch die Zuhörer dann nur zu leicht das Intereſſe an der Predigt verlieren und großen Schaden an ihrer Seele leiden. Alle dieſe übelſtände könnten nach unſerm Dafürhalten dadurch beſeitigt werden, daß noch eine Anzahl Perikopenreihen von der Syno⸗ dalkonferenz zuſammengeſtellt und angenommen würde. Der Einwand, daß es ja jedem Paſtor freiſtehe, über irgendeinen Text zu predigen, und daß ihm dazu die ganze Heilige Schrift zur Ver⸗ fügung ſtehe, iſt ſchon zum Teil in Punkt 3 beantwortet. Dazu kommt nun noch, daß dann eine ſyſtematiſche exegetiſche und homiletiſche Be⸗ arbeitung der Texte nicht ſtattfinden kann. Dieſes kann nur dann ge⸗ ſchehen, wenn dieſe Schriftabſchnitte von der ganzen Kirche geordnet und feſtgeſtellt ſind. Damit nun der große Segen dieſer Einrichtung der ganzen rechtgläubigen Kirche zugute komme, ſo glauben wir, daß die Synodalkonferenz die Sache in die Hand nehmen ſollte. Wir bitten daher dringend, daß die Ehrw. Väter und Brüder ſich mit dieſer wichtigen Angelegenheit befaſſen und womöglich die nötigen Schritte zur Ausführung derſelben unternehmen möchten. In Namen und Auftrag der Gemiſchten Konferenz von Zentral⸗Nord⸗ Nebraska zeichnet in aller Hochachtung Deren Komitee: J. Holſtein. J. Witt. A. Merz. Appendix. Von den jetzigen Perikopen ſchreibt D. A. Brömel in ſeinem Vor⸗ wort zu „Homiletiſche Charakterbilder“ (Bd. 2) u. a.: „über das alt⸗ kirchliche Perikopenſyſtem iſt ſchon recht viel von der Reformation an geſchrieben worden. Aber hat das, was man über die Schattenſeiten