# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1858_S349 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zur Charakteristik der Würtembergischen Kirche. 349 dem Style die gestellte Aufgabe löst, so daß es sich ebenso angenehm liest, als gründlich unterrichtet und Beruhigung gibt. Die casuistischen Werke Dannhauer's und Bidembach's, sowie die casuistischen Beigaben zur Dogmatik Brochmand's („Systema universæ theologiæ“) u. a. kleine betreffende Schriften gedenken wir dann zu nennen, wenn wir an die Aufzählung der in eine lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek gehörigen Werke zweiter Classe gehen werden. (Fortsetzung folgt.) Zur Charakteristik der Würtembergischen Kirche. Unter dieser Ueberschrift theilt der Freimund u. A. Folgendes mit: An der Universität zu Tübingen stehen gegenwärtig in der theologischen Facultät zwei Männer entgegengesetzter Richtung, die zu ziemlich gleichen Theilen die theologische Jugend an sich ziehen und besondern Einfluß auf sie üben, der Rationalist Baur und der bibelgläubige Beck, beide aber sind sich darin ähnlich, daß jeder im Gegensatz gegen die Kirche dem Subjectivismus huldigt und ihn der studirenden Jugend einpflanzt. An dem Rationalisten ist das nicht auffallend, sondern liegt in der Natur der Sache; desto mehr aber muß es bei dem Bibelgläubigen befremden, und desto bedenklicher wird sie eben bei ihm, als in Professor Beck die Macht einer überwältigenden Persönlichkeit mit dem Gewicht der Gelehrsamkeit und dem Glanz der Darstellung sich vereinigt. Darum hat auch neuerdings ein der Würtembergischen Kirche räumlich fernstehender Mann, Dr. Liebetrut in Preußen, sich bewogen gefunden, eine Reihe von Streitschriften gegen Dr. Beck zu eröffnen und in denselben die Gefährlichkeit von dessen Lehrart jedermänniglich, sonderlich aber den Gliedern der Würtembergischen Kirche klar vor Augen zu legen.*) Den Inhalt einer Reformationspredigt von Dr. Beck über Matth. 5, 1—14. faßt Liebetrut kurz also zusammen: „Als Grundgedanke der Reformationsrede ergibt sich demnach dieser: Christus verwirft mit rücksichtlosem Eifer auf Gefahr, seine unreifen Schüler zu gleichem Verfahren zu leiten, die frommen Ordnungen der ehrwürdigen Väter, obschon sie nicht schriftwidrig waren, vielmehr dem Abfall und Verderben wehren sollten; die evangelische Kirche verwirft mit gleicher Rücksichtlosigkeit die — es scheint gleichermaßen nicht bloß frommen, sondern auch schriftgemäßen — Satzungen der altkatholischen Kirche und sagt sich von ihr los: so gilt es auch jetzt, bei dem erneuten Streit zwischen Gottes Wort und Menschensatzung, nicht nach beiden Seiten zu hinken, sondern — ob auch die Schwachgläubigen geärgert, die frommen *) Dr. J. T. Beck, ordentlicher Professor der Theologie in Tübingen, und seine Stellung zur Kirche, insonderheit zu derjenigen seines Bekenntnisses. (Mit dem Motto:) „Ein jegliches Reich, so es mit ihm selbst uneins wird, das wird wüste.“ Matth. 12, 25. — Nro. 1. Aus Veranlassung von dessen jüngster Reformationspredigt beleuchtet von Dr. Friedrich Liebetrut, lutherisch evangelischem Pfarrer ꝛc. Berlin. Schlawitz, 1857. 8. XV. und 45 S. (Pr. 10 Sgr. oder 35 kr.)