# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1910_S17 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1910. 17 Was erwartet nun JEſus von ſeinen Freunden? „Ihr ſeid meine Freunde, ſo ihr tut, was ich euch gebiete“, Joh. 15, 14. „Das iſt mein Gebot, daß ihr euch untereinander liebet, gleichwie ich euch liebe. Niemand hat größere Liebe denn die, daß er ſein Leben läſſet für ſeine Freunde“, Joh. 15, 12. 13. „Daran haben wir erkannt die Liebe, daß er ſein Leben für uns gelaſſen hat. Und wir ſollen auch das Leben für die Brüder laſſen. Wenn aber jemand dieſer Welt Güter hat und ſiehet ſeinen Bruder darben und ſchließt ſein Herz vor ihm zu, wie bleibet die Liebe Gottes bei ihm? Meine Kindlein, laſſet uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, ſondern mit der Tat und mit der Wahrheit“, 1 Joh. 3, 16—18. Ein feines Exempel der Freundſchaft hat Jonathan, der Sohn Sauls, geliefert. Als er erfuhr, daß Gott ſeinen Vater verworfen und David erwählt hatte, daß er König von Israel ſein ſollte, da erkaltete ſeine Freundſchaft nicht, oder verwandelte ſich gar in Neid und Eifer⸗ ſucht, ſondern er fuhr fort, ſeinem Freunde in alter Treue zu dienen. Johannes der Täufer war ein echter Freund JEſu. Als das Volk ſich von dem Täufer zu Chriſto wandte, ſagte Johannes, daß das das Richtige ſei. Der Bräutigam müſſe die Braut haben. Und als des Bräutigams Freund freute er ſich ſehr über deſſen Erfolg, ob er auch darüber abnehmen mußte, Joh. 3, 26—30. Gott bewahre uns davor in Gnaden, daß der Heiland über uns klagen müſſe: „Mein Freund, dem ich mich vertrauete, der mein Brot aß, tritt mich unter die Füße“, Pſ. 41, 10! Gott bewahre uns davor, daß Chriſtus einſt an uns die Frage richten müſſe, die er an Judas in Gethſemane richtete: „Mein Freund, warum biſt du kommen? Ver⸗ rätſt du des Menſchen Sohn mit einem Kuß?“ Matth. 26, 50; Luk. 22, 48. Was gibt Chriſtus ſeinen Freunden? Menſchen weiſen oft mit Stolz auf ihre Bekanntſchaft mit hervorragenden Män⸗ nern hin. Mehr noch fühlt man ſich geehrt, wenn man in der Freund⸗ ſchaft eines angeſehenen Mannes ſteht. Welche Ehre erweiſt Chriſtus uns dadurch, daß er ſelbſt uns ſeine Freunde nennt! Wie unbedeutend iſt doch die Ehre der Freundſchaft auch des größten Mannes neben der Ehre, ein Freund Chriſti zu heißen, des Sohnes Gottes, des Heilandes der Welt! Die Freundſchaft eines Königs adelt den, der ſie genießt. So hat Chriſtus geringe Fiſcher und verachtete Zöllner zu Jüngern, Evange⸗ liſten, Apoſteln, Märtyrern, Fürſten des Himmels erhoben. So nennt Chriſtus uns ſeine Freunde und bereitet uns dadurch vom Sündendienſt zu ſeinem heiligen Dienſt, erhebt unſern fleiſchlichen Sinn in den Sinn Chriſti. In eines Freundes Haus gehen wir frei ein und aus, auch un⸗ geladen, ja zu ungelegener Zeit. Wir bitten ihn um Gefälligkeiten; wir ſchütten ihm unſer Herz aus, klagen ihm unſer Leid. So haben wir jederzeit freien Zutritt zu JEſu. Wir ſind ſeine Freunde.