# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1908_S36 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 36 Verhandlungen der zweiundzwanzigſten Verſammlung einer Schweſtergemeinde oder Schweſterſynode ab⸗ gebrochen und noch nicht wiederhergeſtellt hat. — End⸗ lich, wenn jemand einzelne Gemeindeglieder, ſeine ganze Ge⸗ meinde oder ſeine ganze Synode öffentlich angreift, ſo hat er ihnen dadurch die Glaubensbruderſchaft gekündigt. Welch ein herrliches Gut die chriſtliche Gemeinſchaft und eine wie ſchwere Sünde die Störung derſelben ſei, führt Luther zu Joh. 17, 11 und 21 ſo aus: „So hat nun ein Chriſt den Trotz, daß er weiß, wo ihn der Teufel angreift, ſo greift er nicht einen Finger, ſondern den ganzen Leib an, das iſt, alle Chriſten in der Welt, ja Gott und Chriſtum dazu. Gerade als im Leibe, wo die kleinſte Zehe getreten wird, da wiſcht der ganze Leib auf, und ſehen die Augen ſauer, die Naſe rümpft ſich, die Hände greifen zu, und ein jeglich Glied fraget und ſorget, was ihm widerfahren ſei. Denn das gehört zu ſolcher Einig⸗ keit, daß kein Stück oder Teil ſei, das für ſich allein lebe und fühle, und nicht aller anderer, das iſt, des ganzen Leibes, Leben und Fühlen habe. Wo nun das geringſte Glied der Chriſtenheit leidet, ſo bald fühlet's und regt ſich der ganze Leib, daß ſie allzumal zulaufen, klagen und ſchreien; ſo höret's und fühlet's dann unſer Haupt, Chri⸗ ſtus. Und ob er wohl ein wenig inne hält, doch wenn er beginnt ſauer zu ſehen und die Naſe zu rümpfen, ſo wird er auch nicht ſcherzen. Denn ſo ſpricht er durch den Propheten Sacharja, Kap. 2: ‚Wer euch antaſtet, der taſtet meinen Augapfel an.‘ . . . Des leſen wir ein fein Exempel in St. Pauli Hiſtoria. Da er die Chriſten verfolgete und Stephanus hatte helfen umbringen, meinte (er), er hätte auch eine Zehe heraus⸗ geriſſen. Was ſagt aber Chriſtus im Himmel dazu? Er ſpricht nicht: Warum klemmſt du meine Zehe, oder verfolgeſt mein armes Häuf⸗ lein? ſondern alſo ſpricht er: ‚Saul, Saul, was verfolgeſt du mich? Es wird dir ſchwer werden, wider den Stachel zu löcken‘ ꝛc., Apoſt. 9, 5, gerade als hätte er ſeine eigene Perſon angegriffen. Warum? Darum, daß man kein Glied am Leibe kann anrühren, das Haupt muß es fühlen, ja am erſten fühlen. Denn von dem Haupt kommt und geht alle Kraft, daß der Leib fühlen und empfinden kann. Das iſt, ſage ich, der höchſte Troſt in allen Leiden der Chriſten, wo ſie vom Teufel ange⸗ fochten oder von der Welt angegriffen werden, daß ſie nicht allein leiden, ſondern die ganze Chriſtenheit auf Erden, ja alle Engel im Himmel ſamt Chriſto und dem Vater ſelbſt ſich ihres Leidens annehmen und mit⸗ tragen, und ihnen nichts widerfahren kann, es muß ihnen allen wider⸗ fahren. Wer ſolches weiß und glaubt, der kann allerlei Unglück tragen und überwinden; gleich als wiederum kein Ding das Leiden oder An⸗ fechtung ſo ſchwer und unerträglich macht, denn wo das Herz fühlet, es leide ganz allein, und kein Exempel oder Mitgenoſſen desſelbigen Leides ſieht, als ſei es allein verlaſſen und ausgeſchälet; wie denn alle Leiden der Chriſten ſcheinen in unſers Fleiſches Augen. Darum muß ſich der Glaube an dies Wort halten wider ſein eigen Fühlen und der Welt