# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1908_S30 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 30 Verhandlungen der zweiundzwanzigſten Verſammlung Der Referent. Gegen die vorliegende Theſe werden mancherlei Einwürfe erhoben, z. B.: „Man kann ſich zu Irrlehrern äußerlich halten, ohne ihre Irrlehre im Herzen zu billigen. Man nimmt aus den Predigten der Irrlehrer nur das an, was ſie noch recht lehren.“ So reden manche zu unſerer Zeit und handeln auch demgemäß. Wenn keine rechtgläu⸗ bige Gemeinde am Ort iſt, ſchließen ſie ſich irrgläubigen Gemeinſchaf⸗ ten an. Darauf iſt zu ſagen: Angenommen, daß dies möglich wäre — wiewohl es nicht möglich iſt —, ſo haben doch Chriſten ausdrücklichen Befehl, von allen zu weichen, welche eine andere als die apoſtoliſche Lehre führen. Röm. 16, 17: „Ich ermahne aber euch, lieben Brüder, daß ihr aufſehet auf die, die da Zertrennung und Ärgernis anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denſelben!“ Hier iſt zweierlei ausgeſagt: erſtlich, was die tun, die eine andere als die apoſtoliſche Lehre vortragen: ſie richten damit Spaltungen und Ärgerniſſe innerhalb der chriſtlichen Kirche an (ſie ſind διχοστασίας καὶ σκάνδαλα ποιοῦντες). Zum andern iſt hier geſagt, wie ſich die Chriſten gegen die Leute, die dies tun, verhalten ſollen: ſie ſollen von ihnen weichen, ſich nicht zu ihnen halten, ſondern von ihnen halten oder trennen (ἐκκλίνετε ἀπ’ αὐτῶν). Gottes Befehl an die Chriſten lautet nicht bloß dahin, daß ſie den Irrlehrern nicht im Herzen zuſtimmen ſollen, ſondern ganz ausdrücklich dahin, gerade auch äußerlich von ihnen zu weichen. Gerade die äußere kirchliche Gemeinſchaft mit den Irr⸗ lehrern iſt den Chriſten verboten. Weiterer Einwurf: „Manche ſind Irrlehrer nur aus Schwachheit in der Erkenntnis, und die Schwachen in der Erkenntnis ſoll man auf⸗ nehmen, nicht ſich von ihnen abſondern.“ Wir nehmen die Schwachen im Glauben auf, die ſich nicht zu Lehrern aufwerfen, und ſuchen ſie durch Unterricht von der Schwachheit zu heilen. Aber als Lehrer nehmen wir auch die nicht an, die nur aus Schwachheit in der Erkennt⸗ nis Irrlehre vortragen. Gottes Ordnung in der Kirche iſt, daß nur ſolche das Lehramt verwalten, die Gottes Wort ohne Beimiſchung von Menſchenlehre verkündigen ꝛc. Wer noch aus Schwachheit irrt, gehört nicht auf die Kanzel, ſondern unter die Kanzel. Theſis IV. Je trauriger es iſt, daß ſo viele Chriſten in irrgläubigen Lagern ſich aufhalten und dadurch Zertrennung und Ärgernis in der Kirche anrichten und aufrecht erhalten helfen, um ſo fleißiger und aufrich⸗ tiger ſollen die Chriſten, welche durch Gottes Gnade im rechtgläu⸗ bigen Lager ſich befinden, glaubensbrüderliche Gemeinſchaft mitein⸗ ander halten und alle Störung derſelben ſorgfältig meiden, Gott zu Ehren und der Welt und der Kirche zu höchſtem Nutzen. Die Tatſache, daß ſich viele Chriſten im irrgläubigen Lager auf⸗ halten und ſich äußerlich dadurch von uns abſondern, iſt eine traurige