# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1908_S27 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1908. 27 dadurch im Lager der Irrgläubigen feſtgehalten, daß man ſich auf die „Liebe“ beruft. Es ſei lieblos, daß man alle abweichende Lehre ver⸗ urteilt, und die Liebe ſei doch das höchſte aller Gebote. So geſchieht es, was Röm. 16, 18 geſchrieben ſteht: „Durch ſüße Worte und präch⸗ tige Reden verführen ſie die unſchuldigen Herzen.“ Die rechte Lehre verläſtern ſie und der falſchen Lehre ſuchen ſie den Schein der Schrift⸗ mäßigkeit zu geben. Als Mittel dazu müſſen dienen: Verdeckung durch menſchliche Erklärung, Anführung von Schriftſtellen, die nicht von der Sache handeln, u. dgl. Wie haben wir uns gegen die, welche im irrgläubigen Lager ſich befinden, und denen wir doch das Chriſtentum nicht abzuſprechen wagen, zu ſtellen? Wir haben ihnen zu bezeugen, daß ſie ſich von der glau⸗ bensbrüderlichen Gemeinſchaft abgeſondert haben. Irrlehre verkündigen und feſthalten, iſt Trennung in der Kirche machen. Und wer zu Irr⸗ lehrern ſich hält, macht die Trennung mit und ſondert ſich ab von der von Gott geordneten glaubensbrüderlichen Gemeinſchaft. Es wird frei⸗ lich ganz allgemein gegen die Rechtgläubigen der Vorwurf erhoben, daß ſie Trennung in der Kirche anrichteten, weil ſie mit irrgläubigen Kirchen nicht Gemeinſchaft halten wollen. Aber die Miſſetäter, die die kirchliche Gemeinſchaft zertrennen, ſind die, die anders lehren als das Wort Gottes und die zu Anderslehrenden ſich halten. Alſo die Tatſache, daß in den irrgläubigen Gemeinſchaften liebe Kinder Gottes ſich be⸗ finden, ſoll unſer Urteil und Verhalten gegen irrgläubige Gemeinden nicht ändern. Nicht wir ſollen zu jenen, ſondern jene ſollen zu uns treten. Das iſt Gottes Wille und Ordnung. Damit die Chriſten Gottes Willen und Ordnung erkennen und ſich danach halten, halten wir mit unſerm Zeugnis gegen alle falſche Lehre und die dadurch angerich⸗ tete Trennung an. Auf keinen Fall dürfen wir zu falſchgläubigen Gemeinſchaften übergehen, auch nicht etwa unter dem Vorwand, daß wir nur mit den Kindern Gottes im falſchen Lager in Verbindung treten wollen. Würden wir zu ihnen fallen, ſo würden wir damit durch die Tat die falſchgläubige Gemeinſchaft als gleichberechtigt mit der rechtgläubigen anerkennen. Zu unſerer Zeit beſonders will man die „Parität“ in die chriſtliche Kirche einführen, das heißt, die Orthodoxie ſoll nicht allein be⸗ rechtigt ſein, es ſoll als Rechtszuſtand in der chriſtlichen Kirche gelten, daß die Bekenner und die Leugner der Schriftlehre einander als gleichberechtigt in der chriſtlichen Kirche anerkennen. Drüben in Deutſchland haben ſich Vereinigungen gebildet, deren ausgeſprochener Zweck es iſt, den Vertretern der ſogenannten liberalen Theologie kirch⸗ liche Gleichberechtigung in den Staatskirchen zu ſichern. De facto ſind die Irrlehrer ſchon faſt allgemein gleichberechtigt; ſie wollen aber auch de jure gleichberechtigt ſein. Und ſogenannte poſitive Theologen, die noch an den Grundwahrheiten des Chriſtentums feſthalten wollen, haben ſich bereit erklärt, auf dieſen Pakt einzugehen. (So kürzlich Seeberg in Berlin.) Das iſt eine ſchriftwidrige und unmögliche Stellung. Der