# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1908_S23 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1908. 23 Wieviel aber haben Chriſten ſtets miteinander zu beſprechen! Der Menſch iſt ζῶον πολιτικόν. Wenn die Kinder dieſer Welt zuſammen⸗ kommen, ſo reden ſie von dem, was ihr Herz erfüllt. So auch die Chri⸗ ſten. Die Chriſten haben einander ſtets viel zu ſagen. In der Kirche geht allezeit viel vor, was ſie intereſſiert. Die Kirche erlebt erſtlich ſtets Siege. Sie gewinnt fortwährend Seelen und neues Gebiet. Das iſt intereſſanter Geſprächsſtoff für Chriſten. Daß in Rom eine Chriſten⸗ gemeinde entſtanden war, war Gegenſtand des Geſprächs in der ganzen ziviliſierten Welt, wie wir aus Röm. 1, 8 erſehen. Die Kirche hat auch fortwährend Not. Sie wird fortwährend von außen und von innen angefochten. Wenn Chriſten zuſammenkommen, geht ihnen der Stoff für ihre Unterhaltung nicht aus. — Und welche Quelle geiſtlichen Ver⸗ gnügens und geiſtlicher Stärkung fließt in gegenſeitiger Ausſprache für die Chriſten! Als Paulus und Barnabas auf ihrer Reiſe nach Jeruſa⸗ lem in den chriſtlichen Gemeinden von der Bekehrung der Heiden berich⸗ teten, „machten ſie große Freude allen Brüdern“, Apoſt. 15, 3. Wie die chriſtliche Gemeinſchaft im Glauben ſtärkt, lehrt uns der Apoſtel Paulus in Wort und Beiſpiel. Als er gefangen nach Rom geführt wurde und in die Nähe Roms kam, zogen die Chriſten dieſer Hauptſtadt aus und gingen dem Apoſtel entgegen bis nach Appifer und Tretabern, zwei Vororten ſüdlich von Rom. Welchen Eindruck machte das auf den Apoſtel? Es heißt Apoſt. 28, 15: „Da die Paulus ſah, dankte er Gott und gewann eine Zuverſicht“ (ἔλαβε θάρσος = Kühnheit). Das wird uns über den Apoſtel Paulus berichtet. Er ſelbſt ſchreibt ausdrücklich Röm. 1, 11. 12: „Mich verlanget, euch zu ſehen, auf daß ich euch mitteile etwas geiſtlicher Gabe, euch zu ſtärken, das iſt, daß ich ſamt euch getröſtet werde durch euren und meinen Glauben, den wir untereinander haben.“ — Wollte Gott, daß die Chriſten recht eifrig die glaubensbrüderliche Gemeinſchaft pflegten und deren Segen ein⸗ ernteten! Es bedarf auch in bezug auf dieſen Punkt der fortgehenden Belehrung und Ermahnung. Luther führt aus, daß Chriſtus will, daß die Gläubigen auch äußer⸗ lich zuſammentreten und den Glauben bekennen und lehren: „Daß Chriſtus zu dem erſten Stück: ‚wer da glaubet‘, dazuſetzt und mel⸗ det von der Taufe, das geht auf den Befehl von dem äußerlichen Amt in der Chriſtenheit, wie er Matth. 28, 19 ſolches auch in die beiden Stücke zuſammenfaſſet: ‚Lehret alle Heiden und taufet ſie‘ ꝛc. Und zeigt erſtlich, daß dennoch der Glaube, davon dies Evangelium predigt, nicht muß heimlich und verborgen bleiben, als wäre es genug, daß ein jeder wollte hingehen, wenn er das Evangelium hört, und für ſich allein glauben, und nicht dürfte vor andern ſeinen Glauben bekennen, ſon⸗ dern auf daß es offenbar wäre nicht allein, wo das Evangelium gepredigt, ſondern auch angenommen und geglaubt werde, das iſt, wo die Kirche und Chriſti Reich in der Welt ſtehe, will er uns zuſammen⸗ bringen und halten durch dies göttliche Zeichen der Taufe.