# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1908_S22 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 22 Verhandlungen der zweiundzwanzigſten Verſammlung des Evangeliums wird die Kirche Chriſti in der Welt ausgebreitet, und ſo wird die Kirche auf Erden die geiſtliche Mutter der einzelnen Chriſten, wie es Gal. 4, 26 von ihr heißt: „Das Jeruſalem, das droben iſt, das iſt die Freie; die iſt unſer aller Mutter.“ Aber die äußere Gemeinſchaft der Chriſten hat auch den Zweck der gegenſeitigen Erquickung und Stärkung im Glau⸗ ben. Wenn die Glieder einer Familie oder einer ganzen Verwandt⸗ ſchaft zuſammenkommen, wenn Volksgenoſſen oder Landsleute ſich im fremden Lande treffen, ſo begrüßen ſie einander, haben einander viel zu erzählen, haben gemeinſchaftliche Intereſſen zu beſprechen; der Ver⸗ kehr iſt eine Quelle der Ergötzung und Erquickung. Noch inniger als Landsleute und leibliche Verwandte ſind die Chriſten miteinander ver⸗ bunden. Sie ſind hier auf Erden in einem fremden Lande. Gott hat ſie aus der Welt herausgerufen und in das Reich ſeines lieben Sohnes verſetzt. In ihrem Herzen wohnt der eine Heilige Geiſt, ja die ganze heilige Dreieinigkeit. Sie haben einen HErrn und Heiland, einen Glauben, eine Hoffnung; ſie haben dieſelbe Arbeit, dieſelben Inter⸗ eſſen und Ziele: ſie wollen das Evangelium in der Welt ausbreiten und für ihre Perſonen ſich von der Welt unbefleckt erhalten, indem ſie alle⸗ ſamt den ſchmalen Weg zum Himmel wandern. So grüßen ſie einander als Kinder Gottes, wo ſie einander ſehen oder voneinander hören. Der Apoſtel Paulus ſendet einen glaubensbrüderlichen Gruß „der Gemeine Gottes zu Korinth, den Geheiligten in Chriſto JEſu, den berufenen Hei⸗ ligen, ſamt allen denen, die anrufen den Namen un⸗ ſers HErrn JEſu Chriſti an allen ihren und unſern Orten“, 1 Kor. 1, 2. Die Grußpartien in der Heiligen Schrift hat mancher ſchon für etwas überflüſſiges gehalten und deshalb z. B. im Hausgottesdienſt den größten Teil des 16. Kapitels des Römerbriefs überſchlagen, weil er nur Grüße enthält. Aber auch die Teile der Hei⸗ ligen Schrift, welche Grüße enthalten, ſind erbaulich und von großer Wichtigkeit. Sie lehren uns die Pflege der chriſtlichen Gemeinſchaft und machen uns ſo des Segens der chriſtlichen Gemeinſchaft teilhaftig. — Die römiſche Chriſtengemeinde war nicht durch den Dienſt des Apoſtels Pau⸗ lus entſtanden. Rom war nicht ſein perſönliches Arbeitsgebiet geweſen. Aber die Gemeinde lag ihm gerade ſo am Herzen wie die von ihm ge⸗ ſtifteten Heidengemeinden. Er ſchreibt: „Mich verlanget, euch zu ſehen.“ Am Ende des Briefes füllt er ein halbes Kapitel (Kap. 16, 3—16) mit Grüßen. Dem jungen Exegeten kommen bei Röm. 16, 3—16 wohl manchmal dieſelben törichten Gedanken wie bei den Geſchlechtsregiſtern — überflüſſig! Aber es iſt ein herrliches Beiſpiel, wodurch uns die glaubensbrüderliche Gemeinſchaft als von Gott gewollt und als ein herrliches Gut ad oculos demonſtriert wird. — Wir leben in der Zeit der Unions und Reunions. Faſt alle, die desſelben Handwerks und Ge⸗ ſchäftes ſind, haben regelmäßige Zuſammenkünfte, deren Zweck die Be⸗ ſprechung der gemeinſchaftlichen Intereſſen und auch das Vergnügen iſt.