# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1908_S16 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 16 Verhandlungen der zweiundzwanzigſten Verſammlung predigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden, und darüber hinaus auch die Chriſten, die an andern Orten den rechten Glauben bekennen, als Glaubensbrüder anerkennen und behandeln (unitas ecclesiae externa sive professionis fidei). Zweck dieſer äußeren Gemeinſchaft iſt die Predigt des Evangeliums in der Welt, die Ausbreitung der Kirche und die gegenſeitige Erquickung und Stärkung im Glauben. Von einem vornehmen Heiden, der zum Chriſtentum ſich bekehrte, wird berichtet, daß er ſich der äußeren Gemeinſchaft mit den Chriſten weigerte. Er weigerte ſich, zu den öffentlichen Verſammlungen der Chriſten zu kommen. Auf eine Erinnerung, daß dies Chriſtenpflicht ſei, antwortete er mit der ſpöttiſchen Frage, ob das Chriſtentum an den Kirchenwänden hafte. Er kam jedoch bald zu einer beſſeren Erkenntnis. Allerdings haftet das Chriſtentum nicht an den Kirchenwänden. Es beſteht nicht in der äußeren, ſichtbaren Gemeinſchaft, die die Chriſten miteinander pflegen. Es beſteht lediglich in dem vom Heiligen Geiſt gewirkten Glauben an Chriſtum. (Vgl. den Ausdruck der Apo⸗ logie, daß die Kirche keine „äußerliche Polizei“ ſei.) Aber der Glaube an Chriſtum, der im Herzen iſt, ſoll ſich darin äußern, daß er in Ge⸗ meinſchaft mit denen tritt, die auch den chriſtlichen Glauben bekennen. Das iſt Gottes Wille und Ordnung, nicht bloß eine menſch⸗ liche Entſchließung. Jeder Chriſt ſoll freilich auch für ſich in ſeinem Herzen dem HErrn ſingen und ſpielen, Kol. 3, 16; aber die Chriſten ſollen dies auch in Gemeinſchaft miteinander tun. Jeder Chriſt ſoll freilich auch für ſich Gottes Wort leſen und betrachten; aber die Chri⸗ ſten ſollen auch das öffentliche Predigtamt unter ſich aufrichten und Gottes Wort in öffentlicher Predigt gemeinſchaftlich hören aus dem Munde von Perſonen, die tüchtig und dazu beſtellt ſind, auch andere zu lehren. Aus der Heiligen Schrift lernen wir: Wenn durch die Pre⸗ digt der Apoſtel eine Anzahl Menſchen an einem Orte gläubig geworden waren, ſo ordneten ſie ſich hin und her in den Gemeinden (κατ’ ἐκκλησίαν) Älteſte, das heißt, Paſtoren, Apoſt. 14, 23, und zum Anhören des von den Paſtoren gepredigten Wortes ſollen die Chriſten ſich verſam⸗ meln. Der Apoſtel Paulus ſchreibt an Titus, Kap. 1, 5: „Derhalben ließ ich dich in Kreta, daß du ſollteſt vollends anrichten, da ich's gelaſſen habe, und beſetzen die Städte hin und her (κατὰ πόλιν) mit Älteſten, wie ich dir befohlen habe.“ Kurz, der Zuſammenſchluß der Chriſten eines Ortes zu Orts⸗ gemeinden und die Aufrichtung des öffentlichen Predigtamtes iſt nicht dem freien Belieben der Chriſten überlaſſen, ſondern von Gott geboten. Daß Ortsgemeinden ſich noch weiterhin zu größeren kirch⸗ lichen Gemeinſchaften, z. B. zu Synoden, zuſammenſchließen, das iſt nicht göttliche, ſondern menſchliche (kirchliche) Ordnung. Das muß nicht ſo ſein. Aber daß die Chriſten eines Ortes eine Gemeinde bilden und das öffentliche Predigtamt unter ſich aufrichten und gebrauchen, das