# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1858_S339 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wider den Chiliasmus ꝛc. 339 mus weder ganz dafür noch auch ganz dagegen zu predigen. Hat nun solch ein Uebereinkommen je bestanden (was ich weder weiß noch darnach frage, weil mein Uebereinkommen bloß in dem Concordienbuche steht), so ist es unrecht gewesen; — merkwürdiger Weise hielten wir's aber doch, denn wir griffen den umherschleichenden Chiliasmus nirgends an — bis er uns nun, seinen eignen Vertrag brechend, durch das Synodalvotum die Schlinge um den Hals zuziehen wollte. Nun, er hat die Rechnung ohne den Wirth gemacht, dessen sind wir ganz wohlgemuth, und es ist gegen Gott dankenswerth, daß die Sache nun einmal zur Sprache gekommen ist. — Wir werden uns gewiß noch einigen, wenn wir uns nur erst die Hände schütteln ohne Löhe und sächsisches Schulblatt, und recht offen mit der Sprache herausgehen. Mein Stand in der Sache ist der, daß ich den alten hausbackenen Glauben unsrer Kirche für allein geist⸗ und trostreich halte und das arme Evangelium von Vergebung der Sünden durch das Blut Christi als allerhöchste, ewige Weisheit und Schönheit immer wieder erfassen und umarmen will. Den Juden lasse ich gern ihre Herrlichkeit, wenn sie nicht anders wollen. Geht's so fort, wie es schon längst angefangen hat, so werden wir nicht die Welt bekehren; sondern sie wird uns bekehren, und leider triumphirt sie schon weit und breit. Wären wir nur tapfer und fleißig auf dem Plane, wo es gilt — und nicht so gar überklug — so würden wir nicht über Langeweile zu klagen haben noch neue Evangelien erfinden: aber die arme Gegenwart gefällt uns nicht, die Armuth, das Kreuz in ihr gefällt uns nicht — wir lassen sie fahren und schnappen in's blaue Nichts. Gott wird's ernstlich von uns fordern. — Seitdem es unter lutherischen Gelehrten aufgekommen ist, in Christi Menschwerdung und Erniedrigung einen Widerspruch gegen Seine volle göttliche Majestät zu sehen, kann es uns auch nicht befremden, bei ihnen und ihren Freunden den Chiliasmus zu finden. Können sie bei Christo selbst Sein Kreuz, Marter und Tod nicht mehr als Beweisung Seiner ewigen und über alles andre unendlich erhabenen Majestät fassen, nämlich als Beweisung der allerhöchsten Liebe, welche Allmacht, Allwissenheit und Weisheit ganz in sich befaßt, so müssen sie seine Majestät und Herrlichkeit gewiß wo anders suchen — und dasselbe wird sich in der Lehre von der Kirche wiederholen. Die elende Magd gefällt den hohen Sinnen nicht, Darum muß eine in den Wolken kommen, und zwar lange zuvor ehe sie das Geheimniß des Kreuzes ausgelernt haben. Die Herrlichkeit der armen Kirche Christi in der Wüste mit Fasten und Beten bei den wilden Thieren scheint jenen zu ideal und luftig, weil sie das Heilsame des Kreuzes und der Armuth, welche jenen Schein ja allein machen, nicht schmecken mögen und ihm klüglich aus dem Wege zu gehen wissen. Dafür wollen sie Christi Reiche und Seiner Herrlichkeit zu größerer Leibhaftigkeit verhelfen in den Wolken — mit hohen, aber leeren Worten. Helfe uns Gott, von uns auszugehen, daß wir erst Christi Herrlichkeit am Kreuze verstehen mögen.