# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1908_S12 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 12 Verhandlungen der zweiundzwanzigſten Verſammlung jeder Menſch ſeine Eigentümlichkeiten habe. Da heiße Einigkeit im Glauben fordern: den Menſchen in eine Zwangsjacke ſtecken. Dieſes Verzweifeln an der inneren Gemeinſchaft kommt daher, daß man den Glauben für ein Werk des Menſchen hält. Da er aber doch Gottes Werk iſt, warum ſollte die Glaubenseinigkeit unmög⸗ lich ſein? Die Unionsmacherei führt dazu, auch einen toten Glauben noch gelten zu laſſen. — Obwohl nur der perſönliche Glaube an Chriſtum die Gemeinſchaft bringt, ſo wäre es doch verkehrt, nun zwiſchen Glaube und Theologie, Evangelium und Dogma zu ſcheiden und Theologie und Dogma für unweſentlich zu erklären. Daher ſchließt der „Glaube an Chriſtum“ auch z. B. den Glauben an die Dreieinigkeit ein; auch die Taufe iſt nicht auszuſchließen. — Es iſt wichtig zu betonen, daß hier bei Einigkeit im Glauben an die Rechtfertigung nicht ſowohl die Lehre von der Rechtfertigung verſtanden wird, als vielmehr das perſönliche Vertrauen auf die Rechtfertigung; wie die Apologie ſagt, die Vergebung der Sünden ver⸗ lange fides specialis. — Wenn Luther ſagt, das Vertrauen auf Chriſtum genüge, eine Kirche zu machen, ſo ſagt er das im Gegenſatz zu den Römiſchen, die auch Einheit unter dem Papſt u. dgl. für nötig halten. Der Referent. „In dieſer Gemeinſchaft ſtehen auch die Chri⸗ ſten, welche ſich in irrgläubigen Gemeinſchaften be⸗ finden.“ Irrgläubige Gemeinſchaften nennen wir die Gemeinſchaf⸗ ten, in denen Gottes Wort noch laut wird, aber nicht rein und lauter, ſondern unter Beimiſchung von Irrtümern. Solche Gemeinſchaften ſind die römiſche und die griechiſche Kirche, die reformierte Kirche und die zahlreichen reformierten Sekten; auch die lutheriſch ſich nennenden Ge⸗ meinſchaften, welche tatſächlich nicht bei dem reinen Bekenntnis der Kirche der Reformation bleiben, wie zu unſerer Zeit die Ohioer und Iowaer, die das „allein aus Gnaden“ (sola gratia) leugnen. Auf die Frage, wie der Glaube an Chriſtum, den Sünderheiland, in irrgläubigen Gemeinſchaften möglich ſei, iſt zu antworten: Inſo⸗ fern ſie Irrtümer lehren, iſt der Glaube an Chriſtum un⸗ möglich. Irrtümer können nicht Glauben, ſondern immer nur Unglau⸗ ben erzeugen. Die römiſche Kirche verflucht in ihrem offiziellen Bekenntnis, in den Beſchlüſſen des Tridentiniſchen Konzils, alle, die durch den Glauben an Chriſtum ohne eigene Werke ſelig werden wollen. Die ganze große Maſchinerie des Papſttums iſt auf Werklehre geſtellt. Wer daher die offizielle Lehre des Papſttums glaubt, glaubt nicht an Chriſtum, den Sünderheiland, ſondern verwirft ihn und iſt nicht unter der Gnade, ſondern unter dem Fluch des Geſetzes, wie geſchrieben ſteht: „Die mit des Geſetzes Werken umgehen, die ſind unter dem Fluch“,