# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1908_S9 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1908. 9 Alle Chriſten auf der ganzen Erde haben wirklich einen Sinn trotz ihrer verſchiedenen Anſchauungen in irdiſchen Dingen. Sie haben, inſofern ſie Chriſten ſind, genau dieſelben Gedanken in bezug auf ſich ſelbſt und in bezug auf Gott. Von ſich ſelbſt halten ſie, daß ſie vor Gott verdammungswürdige Sünder ſeien; und von Gott halten ſie, daß er ihnen um Chriſti willen gnädig ſei. In ihrer aller Herzen glüht auch die himmliſche Flamme der Liebe, denn der Glaube iſt durch die Liebe tätig oder wirkſam, Gal. 5, 6. Mit der unſichtbaren Einheit des Glaubens, der Gedanken und der Geſinnung iſt, wie Luther es ausdrückt, auch die unſichtbare Einheit des Seins verbunden. Durch den Glauben ſind alle ein Leib, nämlich der geiſtliche Leib, deſſen Haupt Chriſtus iſt. „Wir viele ſind ein Leib“, ſagt der Apoſtel 1 Kor. 10, 17 (ἓν σῶμα οἱ πολλοί ἐσμεν), und 1 Kor. 12, 27: „Ihr ſeid der Leib Chriſti“ (ὑμεῖς . . . σῶμα Χριστοῦ); Kol. 1, 18: „Er (Chriſtus) iſt das Haupt des Leibes, nämlich der Ge⸗ meine.“ Das iſt die wunderbare innere, unſichtbare Gemeinſchaft der chriſtlichen Kirche. Luther: „Die Chriſtenheit heißt eine Verſammlung aller Chriſt⸗ gläubigen auf Erden, wie wir im Glauben beten: Ich glaube in den Heiligen Geiſt, eine Gemeinſchaft der Heiligen. Dieſe Gemeine oder Verſammlung heißt aller derer, die im rechten Glauben, Liebe und Hoffnung leben, alſo daß der Chriſtenheit Weſen, Leben und Natur ſei nicht eine leibliche Verſammlung, ſondern eine Ver⸗ ſammlung der Herzen in einem Glauben, wie Paulus ſagt Eph. 4, 5: Eine Taufe, ein Glaube, ein HErr. Alſo, ob ſie ſchon ſind leiblich voneinander geteilt tauſend Meilen, heißen ſie doch eine Verſammlung im Geiſt, dieweil ein jeglicher predigt, glaubt, hofft, liebt und lebt wie der andere, wie wir ſingen vom Heiligen Geiſt: Zu dem Glauben verſammelt haſt das Volk aus aller Welt Zun⸗ gen. Das heißt nun eigentlich eine geiſtliche Einigkeit, von welcher die Menſchen heißen eine Gemeine der Heiligen, welche Einigkeit allein ge⸗ nug iſt, zu machen eine Chriſtenheit, ohne welche keine Einigkeit, es ſei der Stätte, Zeit, Perſon, Werke, oder was es ſein mag, eine Chriſten⸗ heit macht.“ (St. L. XVIII, 1013 f.) Luther (St. L. XII, 898): „Es iſt nicht mehr denn eine einige Kirche oder Gottesvolk auf Erden, die da hat einerlei Glauben, Taufe, einerlei Bekenntnis Gottes des Vaters und Chriſti ꝛc. und bei ſolchem einträchtiglich miteinander hält und bleibt. In dieſer muß ein jeder ſich finden laſſen und derſelben eingeleibt ſein, wer da will ſelig werden und zu Gott kommen; und wird außer ihr niemand ſelig.“ Derſelbe: „Die Chriſten ſind ein beſonder, berufen Volk und heißen nicht ſchlecht ecclesia, Kirche oder Volk, ſondern sancta, catho- lica, christiana, ein chriſtlich, heilig Volk, das da glaubet an Chriſtum, darum es ein chriſtlich Volk heißt, und hat den Heiligen Geiſt, der ſie täglich heiliget nicht allein durch die Vergebung der Sünden, ſo