# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1858_S337 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wider den Chiliasmus ꝛc. 337 Zeiten, die Christenheit.—Weg muß Beschneidung, denn Christus ist nicht mehr drin, nachdem Er im Fleische erschienen und die Taufe als etwas viel Höheres, nämlich als die Gemeinschaft seines sühnenden und ewig neu gebärenden Todes eingesetzt; weg muß aller Stolz auf irgend ein natürlich⸗menschliches Sein, Können, Wissen oder Streben, sonst kann einer nicht Christum ergreifen. Löhe läßt aber Christum jetzt so ergreifen, daß das ganze. Judenthum dabei reservirt ist und noch heute (!) preist er sich jüdische Abstammung. Das thut dem Fürsten des pharisäischen Judenthums wohl und Christo innig weh.— Ach sieht es denn nicht jedermann, daß dies jetzt aufkommende Judenwesen im stärksten Gegensatze zu unsrer Kirche steht, welche ja auf der Rechtfertigung allein durch den Glauben ruhet! Und davon wird in der Predigt nichts erwähnt: unter lutherischem Titel soll sie noch gehen? III. Dem Angegebenen gemäß sind denn auch die Anwendungen, welche Löhe im 3. Theile seiner Predigt von seiner Lehre macht. Er straft uns, daß wir nicht an seine erste Auferstehung glauben und sieht den Grund alles Verderbens in der Kirche seit Constantin dem Großen darin, daß man den Chiliasmus nicht mit Eifer getrieben habe (S. 17) und schilt weidlich auf die, welche ihn Schwärmerei nennt, nämlich auf die lutherische Kirche, deren Namen er selber trägt. Ja er spottet darüber, daß wir den Chiliasmus für ein Ding halten, welches „die wohlbestallte Kirche im behaglichen Genusse ihres hausbackenen Glaubens stört.“ Ach das war doch zu viel! — Die Krankheit möge es entschuldigen! Es ist ja nur bitterlich zu weinen, daß an Christi Kirche immer ein Geschwür nach dem andern aufbrechen muß: und nun spotten sie noch über „wohlbestallte Kirche“—nun Gott sei es geklagt, wie sie zerrissen wird—und nun auch von Löhe mit? Wem soll man da noch trauen? Wollte Gott, wir stünden recht im seligen altväterischen „hausbacknen“ Kinderglauben und suchten nicht so hohe Künste in den Lüften: —„behaglichen Genuß“ haben wir dabei nicht zu rühmen noch zu hoffen, dafür sorgt die Welt in tausend Gestalten, und nun auch Löhe mit! Der alte hausbackene Glaube hat doch noch mehr Herrlichkeit des Geistes in sich als alle Schwärmereien der ganzen Welt auf Einen Haufen, wenn man sich zu ihm nur erst recht ernstlich herabläßt. Löhe meint zwar: jetzt wecke der Herr die Stimme der Propheten wieder auf (leider wärmt der Teufel die alten Ketzereien auch wieder auf) —„Licht fällt in die längst (auch von Luther und der ganzen lutherischen Kirche) nicht mehr verstandenen Stellen“: schade, daß es meist Irrlichter sind und diesmal nur das Irrlicht des Chiliasmus war. Ich würde Löhe's Predigt gewiß nie erwähnt haben, denn einerseits that sie mir um seinetwillen und um unsrer Kirche willen sehr wehe und andrerseits hoffte ich, er werde später wohl von selbst von diesem Wege —auf welchen er in der Krankheit, wo jeder Mensch am meisten angefochten ist, gerathen war —noch zurückkommen; stand doch auch zu erwarten, daß eine bairische Pre⸗ 22