# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1858_S336 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 336 Wider den Chiliasmus ꝛc. s. w. noch einen zweiten Christus zu haben begehrt. Aber gerade in dieser Sache finden wir ihn so fest und so klar wie Diamant. Hatte Paulus nach Löhe's Darstellung nicht recht vom Alten gelassen, so hatte er auch schlecht das Neue ergriffen. Paulus sagt zwar oft und deutlich genug, daß ihm das Christenthum seine rechte Volksgemeinschaft (Phil. 3, 20; Eph. 2, 19; Ebr. 12, 22 f.), seine wahre Beschneidung und alle Weisheit und Vollkommenheit sei, welches er alles durch Christum habe, so daß dagegen all das andere Judenwesen Schaden sei; aber Löhe meint: die größten angeerbten, sammt allen mit Mühen und Fleiß erworbenen Vorzüge seines Lebens (darunter der eine Hauptvorzug, die Kirche so tapfer verfolgt zu haben) wirft er weg und nun nimmt er Christum an! Löhe setzt noch hinzu: das ist der Weg, einen andern kennt er nicht, einen zweiten gibt es nicht. Nur gemach! einen zweiten wohl nicht; aber dies ist nur nicht der erste, denn dies ist mit Verlaub gar keiner. — Was heißt denn Christum und sein Blut annehmen? Das heißt doch nicht, so etwas nebenher annehmen und sich irgend etwas umhängen — auch nicht einmal etwas sich anlernen, wie Geographie oder Orthographie, wie Astronomie oder Oeconomie; sondern Ihn als innerstes Leben empfangen, daß Er, dieser Jesus, Gottes Sohn und wahrer Gott, mein rechtes Ich vor Gott und zwar in ewiger wahrster Wirklichkeit sei, so sehr, daß Er sogar meine Sünden trägt und meine Gerechtigkeit ist — und dann auch Weisheit und Seligkeit: so gibt Er sich im Worte und so nehme ich Ihn im Glauben. Wenn ich aber Diesen so aufnehme, dann habe ich nie vorher irgend welche große — oder gar größte angeerbte, und irgend welche mit Mühen und Fleiß erworbene Vorzüge meines Lebens wegzuwerfen oder dranzugeben; sondern was vorher irgend an mir was werth war, das war Er auch (aber in der Weissagung) — und was Er nicht war, das war bei göttlichem Lichte besehen wirklich und ohne alle Complimente und Hinterthüren bloß Schaden und Dreck, so wie es was sein will, und muß als solches weg, sonst kann man dieses Christus gar nie froh werden, denn zu einer Doppelehe mit den Seelen giebt Er sich nun einmal nicht her. Weg muß jüdische und jede Nationalität, soweit sie sich irgend rühmen will, und zwar die jüdische vor allen andern Nationalitäten, weil jene zur Christenheit verklärt ist und als irdische Nation nichts mehr auf Erden zu suchen hat; sie ist zu viel was Höherem geworden: ewige himmlische Nation aller Kinder Gottes, wie Abrahams Familie ewige himmlische Familie ist und er Vater vieler Heiden, nämlich aller Gläubigen. So weit nun jüdische Nationalität noch da sein will, ist sie der Spuk des ewigen Juden: sie will zäher Weise Nation sein und kann es doch nie mehr dazu bringen. Gott hatte das ja durch die Wegführungen und beständigen Auswanderungen längst angebahnt, daß Israel als ein besondres Volk unter vielen aufhörte, es hat aufgehört dem Geiste nach, als sie riefen: Wir haben keinen König denn den Kaiser, kreuzige Diesen! — und äußerlich mit Jerusalems Zerstörung. Das wahre Israel ist aber das Eine Volk Gottes aller