# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1858_S335 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wider den Chiliasmus ꝛc. 335 Nein, Paulus legt jetzt gar keinen Werth auf die Abstammung, und zwar in Erinnerung seines früheren Stolzes nennt er nun die Abstammung, und Beschneidung und das ganze Pharisäerwesen Mist und Dreck — warum? weil's nicht Dreck wäre? — nein, weils wahrhaftig ebenso wie der Schade unsrer Zeit (S. 20) nichts weiter ist. Das heißt nicht, natürlicher Weise ist die Abstammung der Judenschaft vor der anderer Völker zu verachten, wie der Pöbel thut; sondern in so fern diese was Religiöses d. h. Geistliches bedeuten sollte und darüber in Kampf gegen Christum kommen mußte, in welchem das Gesetz seine Endschaft erreicht hat Röm. 10, 4; Matth. 5, 17. Darum sind jene Dinge aber nicht bloß Dreck, sondern auch lauter Schaden der Seele geworden. Schade am Christenthum ist's also, wenn man jetzt wieder jüdische Abstammung rühmen, und jüdische Familien und Gemeinden mit vorgeblich reinem Judenblute herstellen will; Schaden am Christenthum ist's, jetzt irgendwie Beschneidung zu rühmen oder gar das Pharisäerwesen mit seiner Größe und Hehre im bittern, fleischlichen Eifer. Schade am Christenthum ist der ganze Chiliasmus, denn er besteht, wie Paulus nirgend schöner nachweist als gerade hier im Philipperbriefe, nicht mit der Rechtfertigung allein durch den Glauben. Er sagt, will man in Christo erfunden werden und Seine Gerechtigkeit wirklich an sich tragen, will man die Kraft Seiner Auferstehung und die Gemeinschaft Seiner Leiden erkennen, Seinem heiligen Tode ähnlich zu werden, so müssen einem die alten Pharisäergeschichten nicht bloß über, sondern von Herzen verhaßt sein. Darüber geht aber Löhe mit unglaublicher Eilfertigkeit in seiner Predigt hinweg, von wirklicher Auslegung dieser Hauptsache nichts zuwendend; Löhe frägt sich selbst: Warum redet aber Paulus von seinen hohen (?) nationalen und doch auch (?) sittlichen (?) Vorzügen wieder so niedrig? — und antwortet sich selbst: Weil er's in Vergleich bringt mit Christo Jesu (??) — Er war ein begeisterter Jude (ja bis vor Damascus — nachher nichts weniger, wie Phil. 3 zeigt unter anderm), wenn ihm aber sein Herr und Heiland Jesus in's Auge trat, dann wurden ihm alle seine Vorzüge zu eitel Schaden und Auskehricht. — Was soll doch das heißen? Wer ist denn unser Heiland Jesus? ich denke die wirkliche und die einzige Wahrheit. Und ist diese Paulo nur ab und zu in's Auge getreten? Nein wahrlich, als er vor Damascus sich Jesum in's Auge treten sah, da behielt er Ihn auch immer im Auge, ja nicht nur das, sondern was viel mehr sagen will, auch beständig im Herzen, so daß er in Christo ganz lebt, denkt, begehrt, wünscht und hofft; und wenn Jesum Anschauen jene vorgeblichen Vorzüge zu Schaden und Auskehricht macht, so sind sie es doch wahrhaftig — oder sind sie's nicht und Jesus machte sie mit Unrecht dazu? Was soll das alles heißen? Hat Paulus sich so bekehrt, daß ihm später manchmal Jesus, die Wahrheit, nicht in's Auge trat und er wieder ehrte, was er als Schaden und Verderben durch Christum erkannt hatte, dann wäre es mit seiner Bekehrung nicht weit her gewesen, dann hätte er an seiner eignen Person, an seiner Nationalität u.