# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1906_S55 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1906. 55 aufnehmen zu dürfen, und zwar ohne Zureden meinerſeits. Eine ſchöne Frucht unſerer Arbeit! Dadurch wurden alle im College wohnenden Schüler eines Glaubens und eines Bekenntniſſes. Das heilige Abendmahl iſt dreimal ausgeteilt worden. Am letzten Sonntag des Schuljahres ſammelten ſich alle lutheriſchen Schüler um den Tiſch des HErrn, ein Ereignis, das wohl ſelten auf Lehranſtalten unſerer Zeit vorkommt. Durchſchnittlich haben 20 Schüler auf der Anſtalt Koſt gefunden. Eine Familie in der Nachbarſchaft erbot ſich, die Mädchen in Koſt zu nehmen. Das war mir ſehr lieb, aber nach einem dreiwöchigen Ver⸗ ſuch iſt das Unternehmen wieder aufgegeben worden. Es blieb mir nichts anderes übrig, als die Mädchen auch zu beköſtigen. Eine Köchin für $3.00 die Woche wurde angeſtellt, aber weil die Mittel nicht hin⸗ reichten, mußten wir dieſem „Luxus“ nach einigen Wochen entſagen. Dann haben zwei Mädchen aus der Oberklaſſe das Kochen gegen freien Tiſch unternommen und haben ihr ſchweres Amt treu und gewiſſenhaft verwaltet. Freilich haben ſie hart arbeiten, vieles entbehren und auch ihre Studien vernachläſſigen müſſen, aber ſie haben ihr Examen doch wohl beſtanden und Erfahrungen für ihre eigene Haushaltung geſam⸗ melt. Angenehm war die Arbeit nicht, denn einige Schüler waren wäh⸗ leriſch, und bei Regenwetter ſtand das Waſſer in der Küche, die im Baſement lag, vier Zoll hoch. Der Hausherr, dem dies wiederholt ge⸗ klagt wurde, tat nichts, um die Küche auszubeſſern. Alle Schüler haben einen geſunden, vortrefflichen Appetit gehabt, haben aber wenig bezahlt. Die Nahrungsſorgen habe ich allein ge⸗ tragen. Von den 20 regelmäßigen Koſtgängern haben zwei das volle Koſtgeld bezahlt, zehn keinen Cent und die übrigen etwa die Hälfte. Manchmal war die Lage recht verzweifelt. Geld war nicht vorhanden, und der Grocer weigerte ſich, mir mehr Kredit zu gewähren, bis die alten Rechnungen bezahlt ſeien. Doch durch die Liebe unſerer Mit⸗ chriſten bin ich imſtande geweſen, das nötige Brot anzuſchaffen und wohl auch die meiſten Schulden zu zahlen. Das übel (ich nenne es mit Abſicht ein übel), Negerjünglingen eine freie Ausbildung zu ge⸗ währen, kann dadurch abgeſchafft werden, daß man uns die nötigen Mittel bewilligt, das Collegeland ordentlich zu bebauen. Es liegt jetzt brach. Zum Schluß möchte ich noch einiges über das Amt des Direk⸗ tors mitteilen. Ich tue es ungerne. Dieſes Amt iſt unter allen Um⸗ ſtänden und unter den beſten Verhältniſſen ein ſchweres. Es wird aber dadurch bedeutend ſchwerer gemacht, daß ich von meiner Familie ent⸗ fernt leben muß. Bis etwa Mitte Februar wohnte ich in der Anſtalt, habe dort geſchlafen und von Negerkoſt gelebt. Von der Zeit an haben meine Kollegen abwechſelnd mit mir die Aufſicht geführt, jedoch ſo, daß wir im Hauſe blieben, bis alle zu Bett gegangen und die Türen zuge⸗ ſchloſſen waren. Die Entfernung, die wir täglich zwei⸗ bis viermal zurücklegten, beträgt zwei Meilen. Viel Zeit, wenn nicht Kräfte, ſind