# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1906_S53 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1906. 53 die Zimmer zu klein. Strenge Maßregeln mußten getroffen werden, um einigermaßen Ordnung zu halten und Verſuchungen zu vermeiden. Strenge und fortwährende Aufſicht und Wachſamkeit Nacht und Tag waren nötig. Trotzdem wurden die Schulregeln öfters übertreten, be⸗ ſonders während der erſten Hälfte des Jahres. Man bedenke, daß unſere Schüler gerade in den Jahren ſind, wo es am ſchwierigſten iſt, ſie zu regieren. Dazu kommt noch, daß ſie von Haus aus an Zucht, Ordnung und Sittlichkeit nicht gewöhnt ſind. Die Neger ſind Menſchen mit ſtarken Leidenſchaften, und ſolange ſie nicht durch den Geiſt Gottes Kraft bekommen haben, ſich zu beherrſchen, laſſen ſie ihren Lüſten ohne Scham und Gewiſſensbiſſe freien Lauf. In der Anſtalt ſind, dank der ſchützenden Hand Gottes, keine groben Sünden vorgekommen. Ein Jüngling iſt weggeſchickt worden, weil er ſich fortwährend gegen die Lehrer und die Ordnungen auflehnte. Ein anderer iſt bei Nacht und Nebel fortgelaufen, um gerechten Strafen zu entgehen. Unter den Tagſchülern iſt ein trauriger Fall vorgekommen, der aber nicht der Anſtalt zur Laſt gelegt werden kann, da wir über dieſe Schüler wenig Kontrolle führen können. Wenn man die Umſtände und Verhältniſſe, unter welchen wir haben arbeiten müſſen, beſieht, kann man nur Gott⸗ danken, daß es ſo gut gegangen iſt. Die Anſtalt erfreut ſich eines guten Rufes. über das Betragen der Schüler außerhalb der Anſtalts⸗ gebäude iſt keine Klage laut geworden, und ſie ſind von unſern Nachbarn ziemlich genau beobachtet worden. Auf eins möchte ich in dieſer Verbindung aufmerkſam machen: Wollen wir zuverläſſige, rechtſchaffene Prediger und Lehrer heranbilden, ſo iſt es nicht genug, daß wir ihnen die nötigen Kenntniſſe beibringen — was verhältnismäßig leicht iſt —, ſondern wir müſſen ſie er⸗ ziehen. Die Anſtalt muß die Stelle des chriſtlichen Hauſes vertreten. In den allermeiſten Fällen muß die Erziehung hier ihren Anfang neh⸗ men und fortgeſetzt werden. Selbſt die in lutheriſchen Häuſern erzoge⸗ nen Schüler, alſo die beſten, kommen ziemlich ungezogen auf die Anſtalt. Es iſt daher von großer Wichtigkeit, daß wir ſo weit als möglich junge Schüler bekommen, die noch zu ziehen ſind, und daß ſie in der Anſtalt unter Aufſicht und Seelſorge bleiben. Wir wollen nicht Neger⸗ jünglingen ſpäter das Amt übertragen, die wir nur im Schulzimmer kennen gelernt haben. Kein Menſch, ſoweit meine Menſchenkenntnis reicht, kann ſich ſo verſtellen und den Heuchler ſo vortrefflich ſpielen als der Neger. Auf dem Gebiete iſt er Meiſter. Es iſt nicht genug, daß man im Lehrzimmer das Wort, Geſetz und Evangelium, auf die Herzen anwendet, wenn man ſie nach den Stunden wieder in ihre gottloſe Um⸗ gebung heimſchickt und den mancherlei Verſuchungen preisgibt. Ich habe die Beobachtung gemacht, daß ich einen ganz andern Einfluß auf diejenigen ausübe, mit denen ich zuſammen wohne, als auf die, welche ich nur tagsüber unter den Augen habe. Schon nach einem Jahre wird der Unterſchied bemerkbar. Jene ſtehen ſtets unter chriſtlicher Zucht und Seelſorge, dieſe nur, wenn ſie ſich im Klaſſenzimmer befinden. Möge