# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1858_S334 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 334 Wider den Chiliasmus ꝛc. groß und hehr.“ Was soll dies verdrießliche Gerede vom „Standpunkt?“ Der Juden Standpunkt ist in der Hölle! Nach dieser Art zu reden ist der Satan am meisten „groß und hehr.“ Hat Paulus hier solche Dinge sagen gewollt? Wahrlich das vollste Gegentheil! die Wahrheit ist nur Eine und die Sittlichkeit desgleichen, und zwar sind sie beide wieder Eins, und weder gehen sie beide, noch jedwede in sich auseinander und in die Brüche, die Menschen mögen sich so oder so dazu stellen. Was nicht christlich ist, ist kurzweg unsittlich. — Paulus will ja zeigen, daß man bei aller Meisterschaft pharisäischer Gerechtigkeit und bei allem reinen Blute der Abstammung ein Verfolger Christi wird, so wie man darauf noch Gewicht legt. — Und Löhe bekennt nun frei und frank, er lege groß Gewicht darauf. Er meint, es könne „auch äußere Vorzüge geben, welche ebensowohl nach dem Urtheile des Christen als nach dem des Juden von großem Werthe sind,“ und rechnet dahin die jüdische Abstammung. Dagegen sage ich: erstens kann ein Christ mit einem Juden, der Christum, die ewige Wahrheit, selbst verworfen hat, in geistlichen Dingen, um die es sich hier doch handelt, nie einerlei Urtheil haben, und wenn sie auch einmal dasselbe sagten, so hätte es im Grunde doch entgegengesetzten Sinn — und zweitens sind äußere Vorzüge nie wirkliche Vorzüge; sondern haben immer ihre entsprechenden Nachtheile bei sich, wie z. B. außerordentliche Verstandeskraft, Phantasie, Reichthum, hohe Geburt u. drgl. Der liebe Gott hat wirklich alles bei aller Verschiedenheit doch zu wunderbarer Gleichheit geschaffen, daß im Grunde niemand was voraus hat. Das Uebelste ist, daß Löhe gerade die Abstammung der Juden rühmt, und meint, Paulus habe sie auch zu rühmen beabsichtigt. Löhe meint, wäre er ein Jude, so sollten seine Kinder noch sich freuen, daß jüdisches Blut in ihren Adern rönne: eine Freude, von welcher die Juden alten Testamentes nicht einmal so großes gehalten haben; und zwar ließen das Gottes Führungen und die Weissagungen der Propheten nicht zu. Israels Herrlichkeit war nie nach Art eines adeligen Stammbaumes; sondern Christus war es im Worte und zwar im Worte und auch im Sacramente der Weissagung (s. 1 Cor. 10, 1—4). Mit dem Blute ist's wahrlich nicht weit her gewesen, wie Ismael und Esau genügend beweisen. Was nützt uns Abrahams Blut oder aller Welt Blut in den Adern, da es allzumal sündig ist und das Himmelreich nicht ererben kann? Wir rühmen uns dagegen Christi Blut, Gottes Blut in unsern Adern rinnen zu haben, das der Welt von Sünden hilft und ihr das Leben giebt. Neben diesem heiligen theuren Blute noch eines andern zu erwähnen, das ist schwerer Undank. Löhe meint jedoch, die Judenschaft werde noch eine große glänzende Rolle in der Christenheit spielen — wobei nur diejenigen Juden zu bedauern wären, die sich zu früh bekehrt haben und darüber in die Christenheit durch Vermischung aufgegangen sind, während bei den Chiliasten die längste Halsstarrigkeit den größten Triumph empfängt und Gott nachher eine Macht des Evangeliums an den Judenherzen entwickeln soll, die Er bis dahin ganz zurückgehalten hätte: ächt calvinisch!