# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1858_S333 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wider den Chiliasmus ꝛc. 333 Dich mit allen Reichen der Welt und ihrer Herrlichkeit nicht abbringen ließest. Denn in diesem Zeichen allein werden wir siegen. II. Wenden wir uns zu dem zweiten Theile, da wird in mancher Beziehung dem Evangelio noch tiefer ins Fleisch geschnitten. Löhe behandelt die Frage, wie man der (vermeintlichen) ersten Auferstehung entgegenkomme. Er sagt, dazu gehöre Lassen und Ergreifen. Sehr schön, wenn er's nur durchgeführt hätte! Aber leider wird bei ihm aus dem Lassen des Alten nicht viel, darum auch schwerlich aus dem Ergreifen des Neuen. Paulus schilt Anfangs des dritten Capitels auf die pharisäischen Judenchristen, welche sich gegen die Heidenchristen ihrer jüdischen Abstammung und Beschneidung rühmen, und dadurch das Christenthum eigentlich zu einer Abart des alten Pharisäismus machen wollten. Daß Paulus nun gegen diese Leute so eifrig streitet, beweist, daß es der bloße Name „Jesus Christus“ nicht macht: den kann man auch mißbrauchen und das thut man auf's höchste und gefährlichste, wenn man mit ihm nach Art der Union Irrlehre und Selbstgerechtigkeit (was immer eins ist) decken will. So thaten es jene und so thun es heute die Chiliasten, gewiß meist ohne bewußte Absicht, aber desto gefährlicher. Paulus will nun also jener Leute jüdischen Ruhm zu nichte machen und sagt: nach ihrer Art könnte ich mich noch besser rühmen (ähnl. 2 Cor. 11, 21 f.), es wäre aber Fleisches⸗Rühmen (V. 4). Damit will er's schon gewiß nicht empfehlen. Nun sagt er, auch er sei richtig beschnitten, Benjaminit, ächter Hebräer, und Pharisäer geworden, ja sogar zu solcher Meisterschaft gekommen, daß er ein Verfolger der Kirche, ein Mörder derselben gewesen und nach der Gesetzesgerechtigkeit (der verkehrten Juden) unsträflich. — Unter solchen Leuten wären dies große Herrlichkeiten; er hat aber zum Spott gleich darunter gesetzt: „Verfolger der Kirche,“ um anzudeuten, wohin all dieser Ruhm führe: er sei nämlich Feindschaft wider Christum, und damit ihn niemand so mißverstehe, als lege er den andern Dingen noch in irgend einem Sinne Werth bei. In all diesen Dingen will nun Löhe wirkliche nationale und sittliche Vorzüge sehen, die Paulus wirklich in gewisser Hinsicht rühmen wolle. Paulus will gerade das Judenthum, in so fern es seine Nationalität jetzt noch festhalten will, als Christo feindlich hinstellen; ebenso wenn es noch die Beschneidung irgendwie religiös gebrauchen will, nachdem die Erfüllung der Beschneidung in der Taufe da ist (Col. 2, 11 f. und Phil. 3, 2). Nimmermehr sieht er im Pharisäerwesen, das er ja auf Tod und Leben bekämpft, einen „sittlichen“ Vorzug; sondern gleich dem Herrn Christo selbst, der es doch am besten gekannt haben muß (Matth. 23), nur geistliche Verkrüppelung und die tiefste sittliche Entartung, welche zum Mörder an der Kirche macht, wie sie schon Christum zuvor morden mußte. Löhe geht aber so weit, daß er meint: „wir hielten es jetzt zwar für keinen hohen sittlichen Vorzug, Verfolger der Kirche zu sein; „aber so ist es eben, fährt er fort; ein und derselbe Zug eines Lebenslaufes kann vom Standpunkt des Christen aus verwerflich sein, von dem des Juden aber