# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1906_S39 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1906. 39 nicht der Sinn, daß ſie je ihre beſonderen Intereſſen fördern. Dann ſteht auch, wie ſchon geſagt, die Sorge für die eigene Synode nicht im Gegenſatze zu den Forderungen des Reiches JEſu Chriſti im allge⸗ meinen. Wenn wir nicht ſehen auf das Unſrige, ſondern auf das, was der andern iſt, werden wir im einzelnen Falle, indem wir für unſere Synoden ſorgen, zugleich das Wohl der ganzen Kirche im Auge be⸗ halten. Die Gedanken, die Paulus ausſpricht, ſind ja für den einzelnen Chriſten. Nun ſollten aber wir, die wir in dieſen Gedanken überein⸗ ſtimmen, dafür Sorge tragen, daß ſich in unſern Synoden ein Geiſt herausbilde, der im Verkehr der Synoden miteinander ſich geltend macht. Der Korpsgeiſt, der unter uns ſo leicht aufkommt, iſt gewöhnlich nichts anderes als der ſogenannte geſunde Egoismus, und der iſt nicht das Richtige. Dieſer falſche Korpsgeiſt kann gar nicht entſtehen, wenn alle nach dem Worte handeln: „Ein jeglicher ſehe nicht auf das Seine, ſondern auf das, das des andern iſt.“ Wenn wir in dieſem Sinne in unſern Synoden die Sachen handeln, die auch unſer Verhältnis zu andern Synoden betreffen, ſo wird Gottes Wort kräftig ſein, daß nicht in den Synoden in Streitfragen eine Ge⸗ fühlsrichtung entſteht, gegen die man dann nichts ausrichten kann. Wenn bei Verſammlungen einer großen Körperſchaft ein widriges Gefühl gegen eine andere Synode entſteht, ſo werden meiſtens verſtändige Reden, ſelbſt wenn ſie ſich auf Gottes Wort gründen, nicht mehr viel ausrichten. Das iſt gerade die böſe Gefahr im Verkehre der Synoden miteinander. Jedes Synodalglied ſoll ſich deſſen bewußt ſein, daß es nicht nur ſeine Synode vertritt, ſondern daß es daſteht als Glied am ganzen Leibe Chriſti. Es iſt eine furchtbare Verantwortung, wenn ein Glied dazu hilft, daß unter uns irgendwie ein feindſeliges Gefühl ent⸗ ſteht, das den Frieden der Kirche ſtört und uns auseinanderbringt, die der HErr durch die Einigkeit im Geiſt ſo reich geſegnet hat. Nun zum Schluſſe: Es genügt nicht, daß wir die Grundſätze klar⸗ legen, die Paulus ausgeſprochen hat. Dieſe Ermahnungen gelten für das Chriſtenleben und für den Verkehr der Synoden untereinander; darum iſt auch für unſere Synoden nötig, was für die Chriſten notwen⸗ dig iſt. Wir müſſen Gott anflehen, daß er ſeine Gnade und Barmher⸗ zigkeit über uns walten laſſe, damit wir den Frieden nicht verlieren, dies höchſte Gut, das wir in der Kirche unſers Landes haben. Und weil es heute ſo ausſieht, als ob ſo mancherlei eindringen wollte, was uns auseinanderbringen müßte, und weil der Teufel überall arbeitet, unter uns und unter unſern Gegnern, daß er allerhand Zänkereien anrichte, die ſelbſt bei denen, die ſich nicht am Zanke beteiligen, eine bittere Wurzel aufwachſen laſſen, ſo haben wir es nötig, uns auf die Gnade Gottes zu verlaſſen, wie denn auch Paulus am Schluſſe des Epheſerbriefes klar lehrt. Er kommt da auf etwas Perſönliches, und was er von ſich ſelbſt ſagt, gilt unter uns jedem, der als Vertreter ſeiner Synode irgendwie in ſolchen Verhältniſſen zu handeln hat.