# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1858_S332 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 332 Wider den Chiliasmus ꝛc. daher, daß die Formen noch menschlich und mit Sünden behaftet sind; schafft der HErr aber von oben her die Form für Sein Reich, so sind nur Seine Jünger, reiner Weizen, darin, und die bloße Spreu muß sich sogleich in sich selbst entzünden wie faulendes Heu: die Scheidung ist ja nothwendig das Gericht. — Das ganze Unglück ist aber dies, daß man die unaussprechliche geistliche Herrlichkeit der Kirche Christi, die uns jetzt (s. Epheserbrief) beschieden ist, nicht erkennt: man giebt die Kirche auf Erden preis und schnappt hungrig in die Lüfte. — — Freilich lieben's die Chiliasten nicht, wenn man ihre Dinge klar beleuchtet; sondern da berufen sie sich auf die Schrift, dort stehe so geschrieben, wie sie sagen. Das ist aber Mißbrauch der Schrift, denn in ihr steht kein Chiliasmus, sondern ein Kreuzesreich beschrieben, dessen Acker und Boden die Welt ist, in der viele nicht hören und drei Viertel Hörer noch eitle Hörer sind, die sich selbst betrügen. Trotzdem sollen doch alle Völker durch die Taufe zu Jüngern gemacht und gelehrt werden, es glauben nun so viele oder so wenige, wie da wollen. — Die Christen regieren doch immer mit Christo — und zwar am gewaltigsten, wenn sie durch ihre Treue im Bekennen die Welt nöthigen sie einzukerkern und zu kreuzigen. — Die Chiliasten machen erst den Anspruch, wie auch die genannte Predigt ausdrücklich behauptet, die letzten Dinge in ganz andere Klarheit zu stellen als unsere Kirchenlehre: nun so müssen ihre Bilder auch das Sonnenlicht vertragen. Sie schwinden aber vor dem ordinären Evangelium von Vergebung der Sünden und von der Rechtfertigung des Sünders allein durch den Glauben. — Ist uns dies Evangelium gewiß, so ist der Chiliasmus uns auch gerichtet. — Wir bitten jeden Unpartheiischen, die vorliegende Predigt durchzugehen, ob sich wohl ein Hauch von unsrer Rechtfertigungslehre drin findet, ja ob sie derselben nicht im tiefsten Grunde widerstreitet. Nein, nicht die Lehre in dieser Predigt ist „harmonisch“ und klar, wie sie vorgibt; sondern abenteuerlich und unevangelisch, während uns die Kirchenlehre ganz klar erscheint, so weit die Ewigkeit uns jetzt klar sein kann. Nur wer der Auferstehung Christi, deren wir hier im Glauben zur vollsten und unendlichen Genüge genießen können und sollen, zuvor in etwas vergessen hat, der sucht eine andere erste Auferstehung. Wie aber die Taufe der Wiedertäufer keine wirkliche zweite ist, weil es nur Eine, nämlich die erste gibt, die Gott uns selbst verabreicht, da wir als Kinder von Ihm getauft werden, so ist auch der Chiliasten erste Auferstehung wesentlich Verleugnung der hier in Christo geschehenen, überaus herrlichen Auferstehung, durch welche wir beständig, so wir nur glauben, schon Auferstandene sind, wie Paulus davon schreibt Ephes. 2. — Was die Chiliasten in den Lüften suchen, ist längst nahe herbeigekommen, nämlich das Himmelreich, unaussprechlich herrlich — aber in armer Gestalt — und die Chiliasten sind reiche Leute. — O Du lieber armer Herr Jesu, gedenke unser in Deiner Herrlichkeit, daß wir Deine heilige Armuth uns nicht vom Teufel abschwatzen lassen! Schon ließen wir uns das Paradies mit einem Apfel abschwatzen; bewahre uns, daß wir von Dir nun nicht weichen, der Du von Deiner Armuth