# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1906_S32 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 32 Verhandlüngen der einundzwanzigſten Verſammlung und Praxis anerkannt wird, als was Gottes Wort vorſchreibt. Der Unionismus hat in unſerer Zeit alles durchfreſſen, und ſo gibt es viele Chriſten, die es als eine ſelbſtverſtändliche Forderung der Liebe an⸗ ſehen, daß man in der Kirche auch diejenigen ganz unbehelligt hingehen läßt, die in der Lehre abweichen. Nein, ſo ſteht es nicht. Wir ſetzen die Einheit in Lehre und Praxis voraus, und da wir ſo einig ſind in Lehre und Praxis, erinnern wir uns daran, daß wir dieſe Einigkeit ja nicht ſtören dürfen, indem wir den Frieden brechen. Streitſucht, Eifer, Fanatismus haben je und je in der Kirche eine furchtbare Rolle ge⸗ ſpielt. Schon in der Zeit der Apoſtel zeigte ſich das an einzelnen Orten. Paulus predigte in Antiochien und Piſidien zuerſt den Juden; die hörten ihm ganz gerne zu und luden den Apoſtel zu weiterem Predigen ein. Als aber der Apoſtel auch den Heiden predigte, änderte ſich die Sachlage mit einem Male. Die Juden wurden mit Wut erfüllt und widerſprachen, Apoſt. 13. Es beherrſchte ſie die Geſinnung: Wir als Juden ſind erwählt und haben das Reich Gottes, die Heiden aber ſollen nicht herzukommen. Durch dieſen Neid, der in Hochmut wurzelte, wur⸗ den ſie veranlaßt, dem Worte zu widerſprechen, das ſie ſchon gehört und angenommen hatten, ja das Wort zu läſtern, das ihnen vorher ſchon als Kraft Gottes zur Seligkeit erſchienen war. Es iſt entſetzlich, wie in der chriſtlichen Kirche von Anfang an der Neid und der Hochmut immer alles zu zerſtören geſucht haben. Wir ſind natürlich ganz und gar aus demſelben Holze geſchnitzt; jeder von uns iſt ein geborener Imperialiſt und will über die andern herrſchen. So gewiß jeder von uns ſelbſtſüchtig zunächſt auf das Seine ſehen will, ſo gewiß iſt auch in uns der Hochmut und das Beſtreben, über andere zu herrſchen, und wenn wir nicht durch Gottes Gnade dies niederhalten, werden wir fort⸗ während in Streit untereinander geraten und auf dieſe Weiſe das größte aller Güter gefährden, das es hier auf Erden unter den Menſchen gibt, die Einigkeit im Geiſte. Daß auch Luther die Epheſerſtelle gerade ſo verſteht, wie wir ſie uns nun erklärt haben, zeigen folgende Ausſprüche: „Es iſt klar und offenbar genug aus der Erfahrung, was für Schaden und Verderben in der Kirche bringet dies Ärgernis der Tren⸗ nung und Zwietracht der Lehre. Denn zu dem, daß viel Leute verführet werden und der Haufe flugs zufällt, wo er höret etwas Neues von hoffärtigen, türſtigen Geiſtern, mit großem Schein und treff⸗ lichen Worten fürgegeben, ſo folget auch daraus, daß viel der Schwachen und ſolch gutherziger Leute fallen in Zweifel, wiſſen nicht, bei welchen ſie bleiben ſollen, aus welchem denn weiter kommt, daß die Lehre von vielen verachtet und geläſtert wird, die da Urſache ſuchen, derſelben zu widerſprechen; item, daß viel gar ruchlos und epikuriſch werden und alle Religion und was man ſagt von Gottes Wort, für gar nichts achten; item, auch die da Chriſten heißen, in ſolchem Gezänk widereinander verbittert werden, ſich ſelbſt beißen und freſſen mit Haß, Neid und andern Laſtern, darüber beide die Liebe erkaltet und der Glaube ver⸗