# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1906_S31 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1906. 31 bewahren. Freilich darf die Geduld nicht ſo weit gehen, daß man außer acht läßt, was Gott in Lehre und Praxis von uns fordert. Endlich heißt es: „Vertraget einer den andern in der Liebe.“ Nicht nur der andere iſt in der Lage, daß er von mir verletzt wird, ſondern ich ſelbſt komme gelegentlich auch in die Lage, von andern verletzt zu werden. Darum ſollen wir den Frieden untereinander da⸗ durch halten, daß wir immer darauf achten, uns gegenſeitig zu tragen und zu vergeben, ſelbſtverſtändlich immer nur ſo weit, daß nicht Gottes Wort dabei zu kurz kommt. Das iſt nun vom Apoſtel den einzelnen Chriſten in den Gemein⸗ den geſagt. Wie ſich in unſerer Zeit und in unſerm Lande die Ver⸗ hältniſſe ausgeſtaltet haben, daß wir nämlich in verſchiedene Synoden verteilt ſind, die wiederum in der Synodalkonferenz zuſammenſtehen, handelt es ſich unter uns am meiſten um die Anwendung dieſer Lehre auf die Synoden in ihrem Verhalten zueinander. Jeder Chriſt verſteht die Ermahnung und weiß ſie in ſeinem Verkehr mit einem andern Chri⸗ ſten anzuwenden; für uns Chriſten iſt das alles ſelbſtverſtändlich, was der Apoſtel hier ſagt. Sehen wir aber auf das Leben unſerer Synoden untereinander, ſo ſcheint es oft ſchwierig zu ſein, dieſe Ermahnungen auch da als ſelbſtverſtändlich zu erkennen. Zwei Perſonen, die ſolche Synoden vertreten und miteinander in Streit geraten ſind, würden unter gewöhnlichen Verhältniſſen dieſe Ermahnung wahrſcheinlich nicht unberückſichtigt laſſen, wenn es ſich um Dinge zwiſchen ihnen beiden han⸗ delte. Sobald ſie aber als Vertreter ihrer Synoden zu handeln haben, wird die Sache für ſie ſchwierig. Es kommt da ein Zug hinein, der auf den erſten Blick gar nicht unſchön erſcheint. Ein Mann, der eine Synode vertritt, nimmt Rückſicht darauf, was der Sinn und die Meinung ſeiner Synode iſt, und möchte da nicht ſein perſönliches Gefühl walten laſſen. Da konnimt er gar leicht dahin, ſeine Synode in einer Weiſe zu vertreten, wie er ſeine eigene Sache nicht vertreten würde. Darum iſt es für uns hochwichtig, dieſe Ermahnung des Apoſtels auch auf den Verkehr der Synoden untereinander anzuwenden. Aus der Beſprechung. Es iſt beachtenswert, wie unſere alten Theologen bei der Auslegung der Worte: „Seid fleißig zu halten“ ꝛc. das Richtige treffen, während die neueren Theologen, die in Sprachkenntniſſen jenen oft überlegen ſind, irre gehen und z. B. den Frieden durchaus nicht verſtehen wollen von dem Frieden der Chriſten untereinander, ſondern von dem Frieden, den die Menſchen mit Gott haben. Und doch kann man hier auf keinen an⸗ dern Gedanken kommen, als daß die Chriſten untereinander Frieden halten ſollen. Das dürfen nun freilich unioniſtiſch geſinnte Leute nicht in dem Sinne ausbeuten, daß ſie uns vorſchreiben, wir müßten mit denen Frieden halten, die in Lehre oder Praxis offenbar von Gottes Wort abweichen. Die Schrift ſtellt es als Abnormität, als unſinnig hin, wenn in der Kirche etwas anderes gelehrt und als berechtigte Lehre