# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1906_S30 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 30 Verhandlungen der einundzwanzigſten Verſammlung Evangeliums, wir ſind in Gefahr, darüber in Unfrieden auseinander⸗ zugeraten. Uns iſt deshalb dieſe Ermahnung wichtig. Wie das nun geſchehen ſoll, ſagt der Apoſtel in der voraufgehenden Ermahnung: „Wandelt, wie ſich's gebühret eurem Beruf, darinnen ihr berufen ſeid, mit aller Demut und Sanftmut, mit Geduld, und ver⸗ traget einer den andern in der Liebe.“ Da redet er von vier Dingen, die demjenigen entgegenſtehen, von dem oben die Rede war, dem Egois⸗ mus, dem Individualismus, dem Suchen des Eigenen, kurz, allem, was gegen die Mahnung des Apoſtels iſt: „Ein jeglicher ſehe nicht auf das Seine, ſondern auf das, das des andern iſt.“ Indem Paulus die vier Tugenden anführt, will er allem Egoismus ein Ende gemacht wiſſen. Demut iſt die erſte chriſtliche Tugend. Sie gründet ſich auf unſern Glauben an die Vergebung der Sünden aus Gnaden. In dieſem wichtigen Handel weiß der Chriſt, daß er nichts iſt, daß es gar nicht auf ihn ankommt. Er iſt an und für ſich unrettbar verloren, und alles, was er iſt und hat, verdankt er Chriſto und der Vergebung der Sünden in Chriſto. Wem dies ins Herz gefahren iſt, der kann nun auch im Ver⸗ kehr mit ſeinen chriſtlichen Brüdern nicht etwas ſein wollen, und darin ſpricht ſich die Tugend der Demut aus. Im gewöhnlichen Menſchenleben redet man in anderm Sinne von der Demut. Da iſt ſie ein Stück der Geſinnung, die hervorgeht aus den äußerlichen Verhältniſſen der Leute verſchiedenen Standes gegeneinander, der Niederen gegen die Höheren. Aber dies iſt nicht die Auffaſſung der Schrift von der Demut. Sie iſt nicht eine Tugend derer, die in untergeordneten Verhältniſſen ſtehen, ſondern aller Chriſten in allen Verhältniſſen. Sie beſteht alſo nicht darin, daß einer, der dem andern überlegen iſt, ſich auf ſeine überlegen⸗ heit nichts einbildet, ſondern vielmehr darin, daß er ſeine überlegenheit über andere Leute nicht mehr fühlt. Er kann darum, ſolange er in der Demut bleibt, nicht im Gegenſatz ſtehen zu einem andern, wenn er auf das ſieht, was er iſt und hat, und was er geworden iſt. An zweiter Stelle nennt Paulus die Sanftmut. Wenn jemand ſo geſinnt iſt, daß er nichts iſt und alles von dem HErrn JEſu hat und mit dieſer Geſinnung ſeinen Brüdern gegenübertritt, kann er nicht das, was er zu ſagen und zu vertreten hat, in barſcher, brüsker Weiſe vertreten und dadurch die andern verletzen. Die Liebe Chriſti wird uns in all unſerm Verkehr miteinander dabei halten, daß wir freundlich, liebevoll, ſanftmütig reden und handeln, was wir zu reden und zu handeln haben, und zwar gerade dann, wenn wir entſchieden eintreten für Gottes Wort, reine Lehre und rechte Praxis. Es iſt gerade uns die Mahnung ſehr wichtig, Frieden zu halten durch Sanftmut. Weiter nennt Paulus die Geduld. Hierbei denkt er an ſolche Fälle, da einer von dem andern verletzt wird. Der Apoſtel will alſo nicht nur, daß wir uns in Lehre und Leben nach Gottes Wort richten, ſo daß ein entſchiedener Menſch etwa denken könnte, wenn er im Rechte ſei, müſſe der andere nachgeben. Gerade die Leute, die im Rechte ſind, werden ermahnt, durch Geduld Frieden zu halten und die Einigkeit zu