# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1906_S29 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1906. 29 III. Unſere letzte Frage lautet: „Wie ſoll die Bewahrung der Geiſteseinheit geſchehen?“ Der Apoſtel ſagt: „durch das Band des Friedens“. Wenn da von Frieden die Rede iſt, meint Paulus gewiß nicht den Frieden, von dem er Röm. 5, 1 ſchreibt: „Nun wir denn ſind gerecht worden durch den Glauben, ſo haben wir Frieden mit Gott.“ Denn da redet er von dem Frieden zwiſchen Menſchen und Gott, der darauf beruht, daß wir einen verſöhnten Gott und Vergebung der Sünden haben, daß nichts mehr zwiſchen uns und Gott liegt. Nach dem Zuſammenhang unſers Textes handelt es ſich vielmehr um den Frieden der Chriſten untereinander. Das ergibt ſich z. B. aus den vorhergehenden Ermahnungen: Wir ſollen wandeln nach unſerm Beruf, in Demut, Sanftmut, Geduld, und uns untereinander vertragen. Dar⸗ auf kommt es dem Apoſtel gerade an, daß die Chriſten die Einigkeit im Geiſt nicht durch Friedloſigkeit, Zank und Streit verlieren. Man könnte dann vielleicht noch fragen, was der Ausdruck „Band des Friedens“ beſage. Er kann bedeuten das Band, das in dem Frieden beſteht, oder auch das Band, das den Frieden bewirkt. In dem zweiten Sinne faſſen es viele nach Kol. 3, 15, wo die Liebe das Band der Vollkommenheit genannt wird, und weil in unſerer Stelle gerade vorher geſagt wird: „Vertraget einer den andern in der Liebe!“ ſoll man nun weiter unter dem Bande des Friedens eben wieder die Liebe verſtehen, in der wir uns untereinander vertragen ſollen. Man mag aber den Ausdruck faſſen, wie man will, es kommt immer der Gedanke heraus: Wir ſollen die Einigkeit im Geiſte dadurch bewahren, daß wir Frieden untereinan⸗ der halten. Nun darf aber das Wort „Friede“ nicht falſch verſtanden werden. In den Sekten, in der Union und auch da, wo es unter uns lax hergehen will, faßt man den Frieden gern ſo auf, daß man darüber die Reinheit und Einigkeit in der Lehre, wie auch die Einheitlichkeit in der Praxis fahren läßt. Es iſt oben zur Genüge dargetan worden, daß die Rein⸗ heit und Einheit der Lehre unter allen Umſtänden durch Gottes Wort bewahrt werden muß. Dasſelbe gilt aber auch von der Praxis. Die Praxis ſoll ſich richten nach Gottes Wort, und wenn ſie ſich danach richtet, ſo iſt ſie einheitlich. Es kann alſo nicht einen ſolchen Frieden geben, um deſſentwillen Zwieſpalt in der Praxis entſtünde oder geduldet würde. Von einem Frieden alſo, wie ihn die Union ſich denkt, wobei Zwieſpalt ſowohl in Lehre als in Praxis beſtehen kann, darf nach der Schrift nicht die Rede ſein; ſondern die Mahnung, daß wir die Einig⸗ keit im Geiſt durch das Band des Friedens bewahren ſollen, iſt nur für diejenigen wichtig, die in Lehre und Praxis entſchieden ſtehen. Eine ſolche Stellung ſetzt die Schrift bei der genannten Mahnung voraus. Leute, die unentſchieden ſind, die keine Meinung haben, ſind ſehr ſchnell damit fertig, daß ſie Frieden halten; aber wir, die wir an Gottes Wort feſthalten wollen und entſchieden eintreten für die reine Wahrheit des