# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1906_S28 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 28 Verhandlungen der einundzwanzigſten Verſammlung Aus der Beſprechung. Hier iſt der Unterſchied zwiſchen Kirche und Staat wohl zu be⸗ achten. In dem modernen Staatsleben ſcheint es die allgemein an⸗ erkannte Theorie zu ſein, daß jeder Staat Intereſſen habe, die eigent⸗ lich mit den Intereſſen anderer Staaten in Widerſpruch ſtehen, und daß daher eine weiſe und kluge Politik darin beſtehe, von Zeit zu Zeit einen Ausgleich der Intereſſen anzuſtreben, einen Kompromiß, bei dem dann beide Teile bluten müſſen. In der Kirche gibt es nicht eine Intereſſen⸗ politik in dieſem Sinne. Es gibt in gewiſſem Sinne Sonderintereſſen in den einzelnen Synoden. Hierher gehört das Wort der Schrift: „Ein jeglicher, wie ihn der HErr berufen hat, alſo wandele er“, 1 Kor. 7, 17. Wer minneſotaniſch, wisconſiniſch, miſſouriſch berufen iſt, der wandle ſo, wie er berufen iſt. Die Minneſotaner, die Wisconſiner, die Miſ⸗ ſourier ſollen z. B. je für ihre Anſtalten ſorgen ꝛc. Es iſt auch möglich, daß einer ſeinen Beruf in dieſem Sinne durch den übergang in eine andere Synode wechſelt. In dieſem Sinne darf man von Sonderinter⸗ eſſen reden. Aber ſolche Gegenſätze, wie es auf dem Gebiete der Politik gibt, finden ſich nicht in der Kirche. Das kommt daher, daß die Kirche ein Leib und ein Geiſt iſt. Wir haben nur darauf zu ſehen, daß wir des einen HErrn Wort und Willen zum Ausdruck bringen. Indem wir dieſe gewaltigen Einheiten durch Gottes Gnade immer feſthalten, ent⸗ ſteht nie ein Gegenſatz der Intereſſen. Wenn in der Synodalkonferenz 25 Synoden vereinigt wären, und wir behielten das eine Ziel im Auge, ſo würde nie ein Gegenſatz der Intereſſen zur Geltung kommen. Wie wichtig iſt es aber, gerade auch auf unſern Wandel zu achten, damit nicht Uneinigkeit entſtehe! Luther ſagt, wie von dem Worte der Heiligen Schrift, ſo auch von dem Heiligen Geiſte und ſeiner Wirkſam⸗ keit, daß ſie ſich nicht teilen läßt. Damit will er dies ſagen: Derſelbe Heilige Geiſt, der in uns den Glauben an das Evangelium wirkt und erhält, wird in uns auch die Liebe zu den Brüdern wirken; wenn man der Wirkung des Geiſtes in dieſem Stücke entgegentritt, ſo zieht er ſich gekränkt, beleidigt, betrübt zurück, und die Einigkeit im Glauben fällt dahin. Darum wollen wir uns davor hüten, den Heiligen Geiſt dadurch zu betrüben, daß wir unachtſam auf unſern Wandel ſind. Um dies zu erreichen, darf die Einheit und Reinheit der Lehre nicht äußerlich bleiben, ſondern ſie muß innerlich werden, das heißt, ſie muß ein perſönliches Chriſtentum bewirken. Denn erſt dann wird die Einheit in der Lehre in die rechte Wirkung geſetzt im Leben. In Fällen, wo verſchiedene Synoden miteinander zu handeln haben, muß die Geſamthandlung immer zeigen, daß es den Synoden nur um das Eine zu tun iſt: Seelen ſelig zu machen. Dabei muß freilich Gottes Wort ſtets die objektive Grundlage bleiben, weil es keine rechte Sorge für die Seelen gibt, als die ganz mit Gottes Wort übereinſtimmt.