# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1906_S27 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1906. 27 man die Selbſtſucht nicht mit den Sonderintereſſen verwechſele. In dem beſchränkten Leben, in dem wir uns auf Erden nun einmal befinden, gibt es Sonderintereſſen, ſo die Intereſſen der Familie, des Staates, der Nationalität, der Gemeinde, der Synoden. Aber dieſe Sonder⸗ intereſſen widerſprechen nicht dem, was der ganzen Kirche frommt, ſo⸗ weit das ſich aufs kirchliche Leben bezieht. Wir ſtehen hier zuſammen in der Synodalkonferenz, und es iſt natürlich, daß man da von den einzelnen Synoden redet. Jede Synode hat ihre Sonderintereſſen, und es iſt ganz in der Ordnung, daß ein Chriſt für dieſe Intereſſen ſeiner Synode eintritt. Es iſt ganz natürlich, daß er die Gemeinde, in der er aufgewachſen iſt, die Synode, zu der er gehört und von der er ſeine ganze geiſtliche Nahrung bekommen hat, beſonders liebt und für ſie ſorgt. Das iſt ein Beruf, in den Gott ihn geſtellt hat. Paulus ſagt, wer für ſeine eigenen Hausgenoſſen nicht ſorgt, der iſt ärger als ein Heide. Aber dieſe Sonderintereſſen ſtehen dem nicht entgegen, was der ganzen Kirche frommt; es iſt kein Zwieſpalt zwiſchen den Sonder⸗ intereſſen der Synoden und der Einheit der Kirche. Zwieſpalt kommt nur dadurch, daß Selbſtſucht ihn in die Sonderintereſſen hineinträgt. Daß ſich hierzulande der Synodalpartikularismus herausgebildet hat, iſt angeſichts der Geſchichte der Kirche ſehr wohl zu verſtehen; und im Hinblick auf die Tatſache, daß wir alle den alten Adam noch an uns tragen, iſt es gar nicht anders zu erwarten, als daß unberechtigter Synodalpartikularismus entſteht. Wo wir nun miteinander handeln, gilt die Mahnung des Apoſtels: „Seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geiſt!“ Sobald jemand, der irgend eine Sache zu vertreten hat, erkennt, daß er mit denen in Zwie⸗ ſpalt gerät, mit denen er ſich im Glauben einig weiß, ſo kann er ſicher ſein, daß er eine unrichtige Sache vertritt. Man kann hie und da den Gedanken ausſprechen hören: Ich gehöre zu dieſer Synode und ſoll da das Reich Gottes bauen; die Intereſſen anderer Synoden gehen mich nichts an. Das iſt nicht recht gedacht und geredet. Der Apoſtel redet im Epheſerbrief die Heidenchriſten mit den Worten an: „Ich habe ge⸗ höret von dem Glauben bei euch an den HErrn JEſum und von eurer Liebe zu allen Heiligen.“ Da redet er von dem ökumeniſchen Sinne, der mit zu dem Charakter eines rechten Chriſten gehört. So etwas gibt es nicht, daß man die Intereſſen eines Teiles der Kirche in der Weiſe vertreten kann, daß das Intereſſe anderer geſtört werde. Da iſt nach Gottes Wort zu entſcheiden; aber gewöhnlich meinen beide Teile, das Wort Gottes auf ihrer Seite zu haben, und deshalb gilt in ſolchen Fällen die Mahnung: „Seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geiſte!“ Wenn ihr merkt, daß die Sachen, die ihr im Gegenſatz zu⸗ einander vertreten wollt, euch auseinanderbringen, ſo ſind die Sachen nicht recht. Dann wächſt eine bittere Wurzel auf, und es braucht nur ein Schein von Unterſchied in der Lehrdarſtellung dazuzukommen, ſo wird alsbald der Haß und die Feindſchaft, die ſich gebildet haben, das Mittel ſein, daß man in der Lehre auseinandergerät.