# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1906_S26 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 26 Verhandlungen der einundzwanzigſten Verſammlung reimen ſich Stroh und Weizen zuſammen?“ Das heißt: Wie reimen ſich in der Kirche Gottes Wort und Menſchenwort zuſammen? Gerade dadurch zerſtört man die Einigkeit im Geiſte, daß man beides vereinigen will. Das wollen wir in der Synodalkonferenz wohl bedenken. Wir haben nicht Sonderintereſſen in der Lehre; ſolche Sonderintereſſen gibt es gar nicht in der Kirche. Wir haben alle nur ein Intereſſe, nämlich daß Gottes Wort zur Geltung gebracht werde. Wenn unter uns eine Lehrſache ſtreitig wird, haben wir kein miſſouriſches, minneſotaniſches, wisconſiniſches Intereſſe, ſondern bloß das eine Intereſſe, daß die Sache nach Gottes Wort geſchlichtet werde. Wenn wir dies im Auge behalten, werden wir die Einigkeit ungeſtört bewahren. Wir ſind los von dem Gedanken der Union, daß in der Lehre verſchiedene Richtungen gleich⸗ berechtigt ſeien; es gibt nur eine berechtigte Richtung in der Kirche, nämlich die, die Gottes Wort ganz und voll zur Geltung bringt. Darum iſt es auch von ſo großer Wichtigkeit, daß unſere lieben Chriſten ermahnt werden, doch nicht immer zuerſt zu Erbauungs⸗ ſchriften zu greifen, ſondern vor allen Dingen die Heilige Schrift immer wieder von Anfang bis zu Ende zu leſen. So hoch wir die Schriften ſchätzen, die unſere rechtgläubigen Väter uns gegeben haben, ſollen ſie doch für uns nur, wie Luther es ausdrückt, ein Gerüſt ſein, auf dem wir in die Heilige Schrift ſelbſt hineinſteigen. So ſehr wir ferner darauf dringen, daß unſere Synodalblätter geleſen werden, ſollten wir doch auch ſie nur in dem Sinne empfehlen, daß ſie zur beſſeren Erkenntnis der Heiligen Schrift dienen. Je mehr unſere Chriſten in der Bibel forſchen, deſto ſelbſtändigere Chriſten werden ſie ſein. Ferner müſſen wir ſtets die Lehre, wie ſie bei uns in Büchern und andern Schriften zum Vortrage kommt, danach prüfen, ob ſie mit Gottes Wort übereinſtimmt. Denn wir müſſen bedenken, daß wir als Menſchen ſo geartet ſind, daß wir unſern eigenen Empfindungen, Gedanken und Intereſſen, oft ohne es zu bemerken, Einfluß geſtatten auf die Art und Weiſe, wie wir die chriſtliche Lehre darſtellen. Dieſer Gefahr können wir nur dadurch entgehen, daß wir uns immer wieder vergewiſſern, daß die Worte, die wir ſprechen, Worte des Heiligen Geiſtes ſind. Der Referent. Wenn wir die Kirche Gottes durch das Evangelium bauen wollen, ſo gehört dazu auch, daß wir in den Gemeinden und Synoden wachen über der Reinheit des Wandels; denn wenn wir das nicht tun, ſo wird aus den Sünden, die unberückſichtigt im Schwange gehen, Zwie⸗ tracht unter den Chriſten entſtehen und daraus wiederum Uneinigkeit in der Lehre. Dann aber haben wir den Grund verloren, auf dem die Einigkeit des Geiſtes ruht. Auch hierauf ſcheint der Apoſtel Rückſicht zu nehmen, wenn er uns ermahnt: „Seid fleißig zu halten die Einig⸗ keit im Geiſt durch das Band des Friedens!“ Im Leben der Chriſten untereinander gibt es aber noch viel mehr Gelegenheit, in Zwieſpalt zu geraten und die Einigkeit im Geiſte zu verlieren. Hier gilt es, daß