# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1906_S24 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 24 Verhandlungen der einundzwanzigſten Verſammlung einander arbeiten. Zu dem Organismus gehört, daß alle Glieder auf ein Ziel hinſtreben. Der Apoſtel ermahnt uns alſo, die Einigkeit im Geiſte feſtzuhalten, weil ſie zum Bau der Kirche nötig iſt. Es kommen zwei Dinge in Betracht: Reinheit der Lehre zu bewahren und Reinheit des Lebens anzuſtreben, und dieſe beiden bedingen ſich gegenſeitig und auch die Einheit des Geiſtes. Was iſt es, was im Menſchen der Einigkeit des Geiſtes entgegen⸗ ſteht? Das iſt der Individualismus, der Egoismus, daß man auf ſein Ich hält, nur das Seine ſucht und nicht das, was des andern iſt, oder was der Gemeinſchaft dient. — Man darf freilich die Selbſtſucht nicht mit der Selbſtändigkeit verwechſeln, wie das ſehr oft geſchieht. Selb⸗ ſtändig iſt der zu nennen, der das, was er nach Gottes Wort als wahr und recht erkannt hat, vertritt, auch wenn andere, ja die ganze Welt, dagegenſtehen. Selbſtſucht dagegen iſt es, wenn man unter allen Um⸗ ſtänden ſeinen Willen, ſein Intereſſe durchſetzen will. Im Leben iſt es oft ſchwer, die beiden auseinanderzuhalten; denn die Selbſtſucht kleidet ſich nicht ſelten in das Gewand der Selbſtändigkeit, und bei der Selb⸗ ſtändigkeit miſchen ſich oft egoiſtiſche Elemente mit ein. Gegen die Selbſtſucht ſollen wir bei uns ſtets kämpfen, Selbſtändigkeit bei andern ſollen wir reſpektieren. Man könnte nun meinen, die Einigkeit in der Lehre werde am allerbeſten ſo bewahrt, daß die Vielen in unſelbſtändiger Weiſe dem Einen nachbeten, was er für richtige Lehre erklärt. Sobald aber dieſer Gedanke ausgeſprochen wird, ſieht jedermann, daß dadurch die Einigkeit im Geiſte nicht bewahrt wird; auf dieſem Wege würde man die reine Lehre ſchnell verlieren. Nachbeten ſollen wir nur dem Heiligen Geiſte, dem göttlichen Worte. Aber nun geſchieht es doch hier auf Erden, wenn wir Lehrvorträge hören, daß der eine auf dies Gewicht legt, der andere auf jenes; wir können es nicht fertig bringen, alles zu gleicher Zeit zu ſagen, und ſo ſtellen ſich da leicht Verſchiedenheiten ein. Deshalb macht Paulus darauf aufmerkſam, daß wir in der Lehre nicht aus⸗ einandergehen ſollen, während wir die Einigkeit im Geiſte zu bewahren ſuchen. Wenn jemand ſagt, daß er einen Gedanken aus dem göttlichen Worte anders begründen würde, ſo zeigt er damit eine gewiſſe Selb⸗ ſtändigkeit in der Auffaſſung der Schrift. Kommt das aus ſelbſtſüch⸗ tigen Regungen, daß er nämlich ſich für etwas hält oder dadurch ſich zur Geltung bringen will, ſo ſteht er in Gefahr, gerade in der Lehre auf falſche Wege zu kommen. Davor warnt der Apoſtel. Selbſt wenn er das Richtige vorträgt, er tut es aber aus ſelbſtſüchtigem Herzen, ſo wird auch bei den andern die Selbſtſucht erregt. Denn die Selbſtſucht bei den andern will nicht, daß der eine zu etwas kommt. Es bilden ſich Parteiungen, und dann iſt der Lehrſtreit fertig. Man verbeißt ſich in be⸗ ſtimmte falſche Richtungen, ſo daß man ſich nicht wieder zurechtfinden kann. Man ſoll nicht dieſen ſelbſtſüchtigen Regungen folgen, ſondern bedenken, daß man in der Gemeinde Gottes ſteht und die Einigkeit bewahren helfen ſoll. Wer ſich nach Gottes Wort hält und nur Gottes