# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1858_S331 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wider den Chiliasmus ꝛc. 331 wohl aber ein göttliches und herrliches haben werden tausend Jahre (wo sagt der Apostel Paulus etwas von tausend Jahren?), zum Segen der Völker — und die mit ihm dann einst zum Gerichte kommen. Löhe redet hier auch davon, daß unsre Zeit nicht die letzte sei; sondern eine Periode, welcher noch eine andere folgen werde: eine Zeit höherer Offenbarung für die Völker, die sich dann ja in den tausend Jahren noch zum Theil bekehren würden: eine höchst bedenkliche Lehre! — Aber lassen wir das und sehen uns die Sache für sich näher an. Christi Kommen in den Wolken, — sichtbar — theilweise Auferstehung, nämlich der verstorbenen Gläubigen, also in verklärten Leibern — dazu die auf der Welt vorhandenen Gläubigen auch verwandelt, also irdisch Fleisch und Blut ablegend, auch verklärt — alle in die Lüfte entrückt — so bleiben auf der Welt bloß die Ungläubigen und sehen nun tausend Jahr lang in den Lüften ein großes Reich von Verklärten schweben: das wird viele bekehren: denn solch Schauspiel bekehrt wohl gewaltiger als die elende „hausbackne“ Predigt vom Kreuze und von Vergebung der Sünden (?) — aber die so Nachbekehrten — gehen sie nun auch in die Lüfte, oder bleiben sie bei den Ungläubigen auf dem Erdboden? — Ist das erste der Fall, so frägt sich's wieder, was sich schon zuvor fragte, da die ersten in die Lüfte gingen: wie kann denn eine Menschenwelt noch einen Augenblick bestehen, daraus die Gläubigen alle in die Lüfte hinweg entrückt sind? mußte nicht Sodom untergehen, so wie Lot abgezogen war? Und wenn das zweite ist, daß die Neubekehrten auf Erden bleiben, so sind ja nicht alle Gläubige verklärt, also etliche Gläubige haben dann doch nicht die „erste Auferstehung,“ obwohl sie mitten in deren Zeit leben sollen. Oder anders: sollen die in den Lüften frei und beständig mit den Ungläubigen verkehren? Was gibt das für Verwirrung und welcher Rückschritt für die Seligen, noch wieder in den Schmutz dieser Welt zurückgeworfen zu sein! Und welche Verachtung wirft es auf die Gnadenmittel unserer Zeit, wenn dann erst Verklärte die Gnade predigen müssen (gegen Lucä 16), und hinterher doch im Ganzen so wenig ausrichten, daß ihr eignes Luftreich noch sogar einmal wieder schwinden muß! — Und was soll das heißen: dies Reich in den Lüften sei zum Segen der Völker (auf Erden) und doch „kein weltlich Reich?“ Die Völker sind doch Welt, und soll ihnen Segen widerfahren von dem Luftreich, so muß es in dieser Welt sein und auch weltlich. Aber mit dem „nicht weltlich“ sollte vielleicht nur einstweilen dem damnamus der Augsburgischen Confession entgangen werden? — Vergebliche Mühe! — Heißt es aber ein göttliches und herrliches Reich, wie kann es dann nur tausend Jahre dauern? wie kann man überhaupt nur von „einem“ göttlichen Reiche reden, als wenn's mehrere gäbe? Oder soll es heißen, eine vollkommen göttliche und herrliche Form des Einen ewigen Reiches Gottes, so hat das auch seine Schwierigkeit: denn ist die volle göttliche Form da, wie kann sie dem Teufel noch wieder weichen müssen? Daß jetzt die Kirchenformen sich nacheinander ableben und hinfallen, kömmt ja allein