# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1906_S19 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1906. 19 ſtehen, als ob die Liebe das Fundament wäre, auf dem wir einge⸗ wurzelt ſind und ſtehen, ſondern daß die Liebe diejenige Geſinnung iſt, in der wir ſo feſt ſein ſollen, als ob wir eingewurzelt und gegründet wären. Aus dieſem allem geht hervor, daß nach des Apoſtels Auffaſſung zu den charakteriſtiſchen Eigenſchaften der Chriſten, durch die ſie ſich von den zwieträchtigen Heiden unterſcheiden, auch dieſe gehört, daß ſie Liebe zu allen Brüdern haben und darin eins ſind. Aus der Beſprechung. Wo Liebe zu den Brüdern wohnen ſoll, muß in dem Menſchen die Nationalität, das Ich, entthront ſein. Solange dieſes Ich nicht ent⸗ thront iſt, herrſcht im Herzen jedes Menſchen die Selbſtſucht, der Ge⸗ danke an ſich, nicht an den Nächſten. Die Selbſtſucht wird erſt dadurch entthront, daß ein Menſch ein Chriſt wird durch den Glauben an das Evangelium, durch die Erkenntnis der Liebe, mit welcher Gott die Welt geliebt hat. Sowie dieſe Liebe uns durch den Glauben offenbar ge⸗ worden iſt, dann und nur dann wird die Nationalität, wird das Ich im Herzen entthront, und dann gibt es da Liebe zu den Brüdern. Die Liebe iſt des Geſetzes Erfüllung, aber dieſer Zuſtand, daß das Geſetz ins Herz geſchrieben wird, wird nur dadurch hergeſtellt, daß Gott ſeinen Bund umwandelt. An Stelle des alten Bundes des Geſetzes muß er den Bund des Evangeliums ſetzen. Gott hat Israel eine Zeitlang unter dem Geſetzesbunde gelaſſen; aber das ſtellte ſich ſozuſagen als ein Fehlſchlag heraus. Gott konnte ſeinem Volke gebieten, ſoviel er wollte, das Geſetz blieb nur äußerlich. Da hat er an die Stelle des Geſetzesbundes den Bund des Evangeliums geſetzt, und mit einem Male ändert ſich die Sachlage. Das Evangelium hat das Geſetz ins Herz geſchrieben, das vorher bloß äußerlich war. Es gibt keinen andern Weg, wahre Liebe ins Herz zu bringen, als den des Glaubens. Nur bei den Chriſten findet ſich die Liebe zu den Brüdern, aber ſie findet ſich auch bei allen Chriſten. Zur Zeit des Apoſtels Paulus waren die Stoiker die Haupt⸗ vertreter der griechiſchen Philoſophie, und ſie hatten ſchon den Kosmo⸗ politismus, die allgemeine Brüderſchaft der Menſchen, auf ihr Pro⸗ gramm geſchrieben. Die Unterſchiede unter den Völkern, die nationalen Schranken, waren äußerlich durch die römiſche Weltherrſchaft gefallen, und ſo hatte ſich allmählich doch der Gedanke des allgemeinen Menſchen⸗ tums theoretiſch Raum gemacht. Aber wenn es galt, die Theorie in Praxis umzuſetzen, erwies ſich der Stoiker als Egoiſt vom reinſten Waſſer. So beweiſt auch die Geſchichte, daß wahre Nächſtenliebe ohne innere Umwandlung des Menſchen nicht zuſtande kommt. II. Nach dem, was wir bisher verhandelt haben, iſt klar, daß nach der Heiligen Schrift die Einigkeit im Geiſt nicht das iſt, was die römiſche Kirche darunter verſteht, auch nicht das, was die Sekten in der Union