# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1906_S18 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 18 Verhandlungen der einundzwanzigſten Verſammlung Einigkeit im Geiſte gehört, auch in der Liebe einig zu ſein. So ſchon Kap. 1, 15: „Darum auch ich, nachdem ich gehöret habe von dem Glau⸗ ben bei euch an den HErrn JEſum und von eurer Liebe zu allen Heiligen.“ Wie alſo der Glaube den Chriſten charakteriſiert, ſo auch die Liebe zu allen Heiligen, im Gegenſatz zu den geſetzlichen Juden und zu den Heiden. In der alten Zeit, vor dem Neuen Teſta⸗ mente, beherrſchte die Idee von der Nationalität die ganze Welt; bei den Juden war ſie, ihrer geſetzlichen Stellung gemäß, ein Hauptbegriff. Unterſchied in der Nationalität aber bedeutet Feindſchaft. Die alte Zeit kennt den Begriff der Liebe nicht, den das Evangelium lehrt. Bei den Heiden hören wir, daß es Freunde gab, wie Oreſtes und Pylades, aber Liebe im Sinne des Evangeliums, Liebe zu den Brüdern um Chriſti willen, gibt es nicht. Das zeigte ſich gerade im Verhalten der Völker zueinander. Ein Volk nannte das andere Barbaren, in dem ausdrücklichen Sinne, daß es ſich ſelbſt für das auserwählte Volk hielt und die andern Völker als unter ſich ſtehend anſah. Für die Chriſten iſt es charakteriſtiſch, daß ſie in der Liebe zu den Heiligen ſtehen. Kap. 2, 11: „Darum gedenket daran, daß ihr, die ihr weiland nach dem Fleiſch Heiden geweſen ſeid und die Vorhaut genannt wurdet von denen, die genannt ſind die Beſchneidung nach dem Fleiſch, die mit der Hand geſchieht.“ In dieſer Gegenüberſtellung liegt eine tadelnde Be⸗ merkung gegen die Juden, die ſich wegen der äußerlichen Beſchneidung mehr dünkten als die Heiden und dieſe mit dem häßlichen Namen „Vor⸗ haut“ bezeichneten. Nun iſt aber Chriſtus gekommen und hat der Feindſchaft zwiſchen Juden und Heiden ein Ende gemacht. „Er iſt kommen und hat verkündiget im Evangelio den Frieden euch, die ihr ferne waret, und denen, die nahe waren; denn durch ihn haben wir den Zugang alle beide in einem Geiſte zum Vater“, V. 17. So ſind beide einerlei Geſinnung geworden und haben auch Liebe gegeneinander. Das drückt er ferner aus durch Häufung ſolcher Bilder und Redewen⸗ dungen, die von der Mitgenoſſenſchaft handeln; ſo gleich in den fol⸗ genden Worten: „So ſeid ihr nun nicht mehr Gäſte und Fremdlinge, ſondern Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenoſſen.“ Da ſie durch den Glauben zu einer Volksgenoſſenſchaft gehören, zu der wahren Bürgerſchaft Israels, ſo ſind ſie nun auch eben dadurch verbunden in der Liebe, die die Bürger eines Volkes zueinander haben. Bei dem Ausdruck „Hausgenoſſen“ ſchwebt ihm das Bild der Familie vor; wir ſind alle zuſammen Kinder Gottes, ſtehen in geiſtlicher Verwandtſchaft, die in der Liebe ihren Ausdruck findet. Ähnlich redet er im dritten Kapitel von den Heiden als Miterben („miteingeleibet und Mitgenoſſen ſeiner Verheißung“) und ſpricht damit wieder den Begriff der Kind⸗ ſchaft aus. Die Präpoſition „mit“ drückt energiſch aus, daß ſie zu⸗ ſammengehören. Darum ſagt er auch hernach in dem Gebete, das die drei erſten Kapitel abſchließt: „Ich beuge meine Kniee vor dem Vater unſers HErrn JEſu Chriſti, . . . daß ihr . . . durch die Liebe eingewur⸗ zelt und gegründet werden möget“, V. 17. Das iſt nicht ſo zu ver⸗