# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1906_S17 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1906. 17 alſo die Glaubenslehre. Bei Luther tritt uns an vielen Stellen die wunderbare Erſcheinung entgegen, daß er einmal den einen Glau⸗ ben ohne weiteres ſubjektiv faßt (das heißt, als die Zuverſicht der Chriſten, daß ſie Vergebung der Sünden haben) und dann wiederum ohne weiteres an andern Stellen objektiv (das heißt, als die Glaubens⸗ lehre). Im zweiten Sinne ſtellt er den Glauben den Gedanken der Menſchen gegenüber, wenn ſie ſich ſelbſt Glaubensartikel machen. Das hängt ſo zuſammen: Luther faßt zunächſt den einen Glauben ſub⸗ jektiv in dem Sinne: wir glauben alle ohne Ausnahme, daß wir einzig und allein durch Chriſtum Vergebung der Sünden haben. Wenn aber nun in einen Menſchen dieſer wunderbare eine Glaube hineingekom⸗ men iſt, ſo wird er durch dieſen Glauben neu geboren, empfängt dadurch den Heiligen Geiſt und bekommt dadurch die Geſinnung, daß er das ganze Wort Gottes annehmen will. Er will dann nicht bloß einen Teil der Lehre der Schrift annehmen, ſondern das ganze Wort Gottes, und unterwirft ſich allem, was Gott ſagt. So iſt dieſer eine Glaube, objektiv gefaßt, eben die unmittelbare Folge davon, daß durch den Heiligen Geiſt der eine Glaube an den einen HErrn gewirkt wor⸗ den iſt. Es gibt tatſächlich ſolche Chriſten, die nicht das ganze Wort Gottes annehmen, ihm in dieſem oder jenem Stücke den Gehorſam verſagen; aber das kommt bei ihnen immer nur aus der Schwachheit; innerlich ſind ſie ſo geſinnt, daß ſie das Wort Gottes annehmen, ſobald ſie unterrichtet werden. Es wird gefragt, warum Paulus hier nur die Taufe nennt. Das geſchieht nicht etwa in dem Sinne, als ob nicht auch im Abendmahl ein ganz gewaltiges Motiv läge, die Einigkeit im Geiſte zu bewahren. Paulus ſagt ausdrücklich im Korintherbrief: „Ein Brot iſt's, ſo ſind wir viele ein Leib, dieweil wir alle eines Brotes teilhaftig ſind“, 1 Kor. 10, 17. Warum nennt er hier im Epheſerbrief nur die Taufe? Sie iſt, wie ſchon geſagt, das ſakramentliche Mittel, durch welches die Chriſten in die Kirche eingeführt werden. Wenn dann gefragt wird: Wer kennzeichnet ſich als Chriſt? ſo antworten wir: Wer ſich taufen läßt. Als daher am erſten Pfingſtfeſt die Juden ausriefen: „Was ſollen wir tun?“ hieß es: „Tut Buße und laſſe ſich ein jeglicher taufen!“ Es hieß nicht: Tut Buße und feiert das heilige Abendmahl. Dazu kommt noch, daß das Abendmahl nicht allen Chriſten ſo gemeinſam iſt wie die Taufe. Der Referent. Zur Einigkeit im Geiſte gehört auch die Einigkeit in der Liebe. In den drei Sätzen V. 4—6 hat der Apoſtel nichts hiervon geſagt; denn er zählt nicht auf, was die Einheit beſtimmt oder aus⸗ macht, ſondern zeigt, wie ſelbſtverſtändlich es iſt, daß man die Einigkeit des Geiſtes bewahrt, wegen all der Stücke, die er anführt. Auf die Liebe kommt er nun in der Ermahnung zu ſprechen; aber ſchon in den drei erſten Kapiteln zeigt oder ſagt er, daß auch die Liebe gegen die Brüder etwas dem Chriſten Charakteriſtiſches ſei, und daß es mit zur