# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1858_S330 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 330 Wider den Chiliasmus ꝛc. zwei, nämlich erstens eine geistliche und dann eine leibliche. Soll dies nun in der vorliegenden Stelle nicht wahr sein? soll Paulus nun hier im Philipperbriefe lehren, er wolle gern tausend Jahre und noch etwas vor dem jüngsten Tage auferstehen? — Auch im alten Testamente stellt schon Ezechiel die Erneuerung Israels durch den Glauben unter dem Bilde einer großartigen Auferstehung dar. Nach demjenigen nun, was die Schrift sonst redet, muß man die Offenbarung Johannis erklären; aber nimmer sich einen Sinn aus ihr bilden, wo immer der eigene Wille erst einlegt, und dann diesen Sinn in die ganze Bibel hineintragen. Wir sollten doch vorsichtiger sein, nachdem die Pharisäer nach ihrem Verständnisse der Propheten meinten, Jesum von Nazareth sicher verwerfen zu müssen. Für schwach muß ich es halten, wenn Löhe aus dem Ausdrucke „entgegenkommen“ (Phil. 3, 11) folgern will, Paulus könne hier ja nicht die Auferstehung meinen, welche die Christen im dritten Artikel bekennen, weil man dieser immer von selbst mit allen Menschen entgegengehe. Rede Paulus von Entgegenkommen, so müßte er hier eine andere Auferstehung im Sinne haben, zu der nicht alle kämen. Freilich kömmt die Auferstehung von selbst auf alle; aber den Gottlosen fällt sie wie ein Fallstrick auf den Hals und die Gläubigen eilen ihr mit Freuden entgegen. Auferstehung der Gottlosen ist wohl eine; aber keine erwünschte, sondern eine verwünschte. Oft heißt in der Schrift „Auferstehung“ soviel als „fröhliche Auferstehung,“ nämlich wenn Gläubige davon reden, und die gehen ihr auch entgegen und bleiben nimmer davon. Das begehrt sich auch Paulus. Unrecht muß ich es finden, wenn Löhe (S. 7, ähnlich wie Hasert in seinem neuesten Schriftchen) immer per „Wir“ redet, indem er diese „Wir“ gerade widerlegen will. Denn da wird er erst ein schlechter Anwalt der Wir — nämlich unsrer Kirchenlehre — und nachher hat er leicht gewonnenes Spiel als Richter. Er klagt im Namen der Kirchenlehre über deren Unklarheit in Betreff der letzten Dinge und meint, das käme davon her, daß wir uns unter Christi Wiederkunft immer gleich die Offenbarung seiner Herrlichkeit am jüngsten Tage dächten. Alles worüber er da klagt, und daß wir nach unsrer Lehre Christum jetzt bestimmt nicht erwarten könnten, hat nichts auf sich. Die Kirchenlehre ist sehr herrlich klar; aber Löhe's chiliastische Sachen leiden an unüberwindlichen Widersprüchen, wie wir in unsrer Schrift „wider den Chiliasmus“ schon in etwas nachgewiesen zu haben meinen. Die Predigt Löhe's verrückt den Seelen das Ziel ausdrücklich, wenn sie lehrt: man müsse sich nicht auf den jüngsten Tag hin richten als auf [unleserlich]; sondern auf eine andere erste Wiederkunft Christi, tausend Jahre und etwas vor dem jüngsten Tage. Das, meint er, hätten auch die Apostel gethan, so „wahrscheinlich“ Paulus in der Stelle 1. Thessal. 4, 13—18 (s. S. 8 und 9). Hier lehrte Paulus eine Auferstehung der dann verstorbenen Gläubigen allein und Verwandlung der Lebenden; diese zusammen in die Luft entrückt, bildeten dann jene Schaar von vielen Tausend Heiligen, die mit Jesu gewiß kein weltlich Reich,