# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1906_S12 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 12 Verhandlungen der einundzwanzigſten Verſammlung Der Referent. Wir kommen nun zu den Worten: „Ein HErr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater unſer aller, der da iſt über euch alle und durch euch alle und in euch allen.“ Wir haben ſchon geſagt: Hiermit will der Apoſtel zeigen, wie ſelbſtverſtändlich es iſt, daß wir die Einigkeit im Geiſte bewahren. Man hört aber aus dieſen Worten auch heraus, wie ein Chriſt geſinnt ſein muß. Der Hauptgedanke ſcheint zu ſein, daß ſich die Geſinnung der Chriſten in ehrfürchtiger Liebe gegen Gott und ihren Heiland äußern muß. Für die Worte „ein HErr, ein Glaube, eine Taufe“ hat man mancherlei Auslegungen gefunden, hat auch mancherlei Fragen daran geknüpft. Offenbar liegt alles Gewicht auf dem erſten Worte, „ein HErr“, und die beiden andern Worte zeigen, in welchem Verhältniſſe die Chriſten zu dieſem HErrn ſtehen. Daher iſt unter dem einen Glauben nicht die Glaubenslehre zu verſtehen, und wenn bei dem dritten Stücke, „eine Taufe“, gefragt wird, warum nicht das Abend⸗ mahl genannt ſei, da doch gerade auch im Abendmahle die Einheit der Kirche zum Ausdruck kommt, ſo muß man nach dem Zuſammenhange dieſe Antwort geben: Der Apoſtel macht darauf aufmerkſam, daß JEſus der eine HErr der Kirche iſt, und nennt dann zuerſt den Glauben als dasjenige, wodurch wir uns auf dieſen einen HErrn gründen oder mit ihm in Verbindung ſtehen; denn der Glaube iſt das Vertrauen auf den HErrn JEſum. Dann nennt er weiter die Taufe als dasjenige Sakrament, durch das man der Kirche einverleibt wird und zu dem wahren Gott und Heiland in ehrfürchtigem Verhältniſſe ſteht. Die Juden mit ihrer geſetzlichen Auffaſſung erkennen auch Gott als ihren HErrn, und ebenſo reden die Heiden von ihrem Gotte oder ihren Göt⸗ tern; aber das iſt ganz etwas anderes als bei einem Chriſten. Die Juden erkennen in Gott einen HErrn, mit dem man nach Art des Phari⸗ ſäers um die Seligkeit ſchachern muß; ſie ſtellen ſich damit gewiſſer⸗ maßen mit ihm auf eine Stufe. Dem Heidentum iſt charakteriſtiſch, daß man die Gottheit im großen und ganzen als eine dem Menſchen feindſelige Macht anſieht, ſich vor ihr fürchtet und mit allerlei gottes⸗ dienſtlichen Gebräuchen gegen ihren feindlichen Einfluß ſich ſicher zu ſtellen ſucht. Der Chriſt dagegen erkennt Gott als ſeinen HErrn in der kindlichen Ehrfurcht, die dem Chriſtentum eigentümlich iſt und aus dem Glauben hervorgeht. Dieſer Gedanke, daß JEſus Chriſtus der HErr iſt, iſt eine Haupt⸗ ſache in den drei erſten Kapiteln des Briefes. überall, wo im Neuen Teſtamente JEſus der HErr genannt wird, liegt darin ein eigentümlich warmer Ton, ſo daß man dem Worte ſelbſt und dem Zuſammenhange gleich abfühlt, wie verſchieden die Weiſe der Chriſten von der der Juden und Heiden iſt. Gleich Kap. 1, 9 kommt der Apoſtel auf dieſen Ge⸗ danken: „Er hat uns wiſſen laſſen das Geheimnis ſeines Willens nach ſeinem Wohlgefallen, ſo er ſich vorgeſetzt hatte in ihm, daß es ausge⸗