# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1906_S7 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1906. 7 eine zweifache Auffaſſung dieſer Stelle gegeben. Chryſoſtomus erklärte: Einheit des Heiligen Geiſtes, der die Einheit ſchafft und erhält; Am⸗ broſius dagegen erklärte: Einheit der Geſinnung (animarum studio- rumque consensus). Dem Chryſoſtomus folgen Beza, Calov und in neuerer Zeit alle die tüchtigſten Exegeten, die die Schrift gläubig aus⸗ zulegen ſuchen, z. B. Harleß, Meyer (in den alten Rezenſionen) und Schnedermann. Dem Ambroſius folgen Anſelm, Erasmus, Luther und die meiſten neueren Exegeten. Es kann an unſerer Stelle nicht die dritte Perſon der Gottheit gemeint ſein in dem Sinne, daß er nur der Eine iſt, der in der Kirche waltet. Der Gedanke iſt an ſich ja nicht falſch. Man kann ihn bildlich ſo faſſen: Die Kirche iſt ein Leib, und der Heilige Geiſt iſt der Geiſt, der in dieſem Kirchenleibe waltet. Aber dies iſt nicht die Ausdrucks⸗ weiſe Pauli und paßt nicht in den Zuſammenhang. Er redet wohl davon, daß der Heilige Geiſt in uns wohnt und wir ſeine Tempel ſind, z. B. 1 Kor. 3, 16: „Wiſſet ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel ſeid, und der Geiſt Gottes in euch wohnet?“ Röm. 8, 9: „Ihr ſeid nicht fleiſch⸗ lich, ſondern geiſtlich, ſo anders Gottes Geiſt in euch wohnet.“ Aber da redet er jedesmal von den einzelnen Chriſten, nicht von der ganzen Kirche als einem Leibe. Der Gedanke iſt alſo nicht unrichtig, und wenn wir den Ausdruck Analogie des Glaubens annähmen, würden wir ſagen: Es iſt nach der Analogie des Glaubens geredet. Nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche des Apoſtels iſt es nicht ſo zu verſtehen, alſo auch nicht im Epheſerbriefe. Sodann läge auch in dem Bilde etwas, was nicht in den Zuſammenhang paßt. Wäre der Heilige Geiſt gemeint, ſo könnte der Apoſtel nicht wohl ſagen: „Seid fleißig zu halten“, zu bewahren, denn wir können eine weſentliche Eigenſchaft des Heili⸗ gen Geiſtes nicht bewahren. Aber auch die andere Auffaſſung des Ausdrucks: „Der Geiſt, der die Einheit ſchafft“, iſt nicht anzunehmen. Auch in dieſem Falle iſt der Gedanke nicht falſch; an ſich könnte man gegen dieſe Erklärung nichts einwenden. Aber wenn eine andere Auffaſſung näher liegt, die ein⸗ facher iſt und unmittelbar gegeben erſcheint, müſſen wir doch dieſe an⸗ nehmen. Die Bedeutung des Genetivs an einer ſolchen Stelle hängt vielfach ab von dem Worte, von dem der Genetiv abhängt. Die nächſt⸗ liegende Auffaſſung iſt hier, daß es eine Einheit iſt, die dem Geiſte unmittelbar zukommt. Wenn die Rede iſt von einer Wirkung, z. B. der Wirkung des Heiligen Geiſtes, da muß der Geiſt als Wirkender gedacht ſein; ebenſo, wenn man redet von der Schöpfung des Heiligen Geiſtes, ſo muß da der Heilige Geiſt als der Schaffende gedacht ſein. Aber bei henotes, „Einigkeit“, iſt die unmittelbare Bedeutung: die Einheit deſſen, der ſie als Eigenſchaft hat. An unſerer Stelle muß das Wort alſo bedeuten: Die Einheit des Geiſtes, der das in den Chriſten vom Heiligen Geiſte geſchaffene neue Leben iſt. Dieſes Leben iſt in den vielen Chriſten ein und das⸗