# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1906_S6 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 6 Verhandlungen der einundzwanzigſten Verſammlung I. Der Apoſtel Paulus hat gegen das Ende ſeines Lebens einen ſeiner bedeutendſten Briefe geſchrieben, den an die Epheſer. Neben den beiden andern Briefen, die im Vordergrund ſtehen, dem Römer⸗ und dem Galaterbrief, hat der Epheſerbrief ſeinen ganz beſonderen Charakter. Während Paulus im Galaterbriefe die Lehre von der Rechtfertigung gegen die Judaiſten entſchieden betont und im Römerbriefe ſozuſagen einen Niederſchlag ſeiner ganzen Lehrtätigkeit in dem öſtlichen Teile des römiſchen Reiches gibt, beherrſcht ihn bei der Abfaſſung des Epheſer⸗ briefes am Ende ſeiner Laufbahn ein anderer Gedanke, der von der Einheit der Kirche, von der Einigkeit im Geiſte. Dort iſt das Lehrhafte die Hauptſache, hier die Ermahnung. Indem er aber die Ermahnung von der Einigkeit im Geiſte begründet, malt er in den drei erſten Kapi⸗ teln ein herrliches Bild von dem Segen Gottes in knappen inhaltsvollen, erhabenen Worten. Er beginnt ſeinen Brief mit einem Preis der Segnungen, die Gott über ſeine Kirche ausgeſchüttet hat, Kap. 1, 3—14. Dann zeigt er weiter, wie Gott der Heilige Geiſt den heidenchriſtlichen Epheſern dieſen Segen zu eigen gemacht hat. Wenn man nun alle die Segnungen zuſammenfaßt, ſo erkennt man des Apoſtels Geſichtspunkt: Die Einheit der Kirche iſt der große Segen, den Gott ſeiner Kirche geſchenkt hat. Wo er dann im 4. Kapitel zu den Ermahnungen übergeht, lautet die Hauptermahnung: „Seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geiſt durch das Band des Friedens!“ Da erhebt ſich zuerſt die Frage: Was heißt Einigkeit im Geiſt? Im griechiſchen Texte heißt es: Einheit des Geiſtes. Luther hat nicht unrichtig überſetzt; ſeine überſetzung iſt vielmehr zugleich eine gründliche Exegeſe des Ausdruckes. Wir ſagen: „Der Ausdruck bedeutet nicht die Einheit des Geiſtes als der dritten Perſon in der Gottheit in dem Sinne, a) daß er nur der Eine iſt, der in der Kirche waltet, oder b) daß er die Einheit der Kirche ſchafft, ſondern die Einheit des Geiſtes, der das vom Heiligen Geiſte in uns ge⸗ ſchaffene neue Leben iſt.“ Mit andern Worten: Der Aus⸗ druck Geiſt bezeichnet hier nicht den Heiligen Geiſt als die dritte Perſon der Gottheit, ſondern das vom Heiligen Geiſte geſchaffene neue Leben. In der Heiligen Schrift hat das Wort pneuma eine dreifache Be⸗ deutung. Einmal bezeichnet es einfach das Seelenleben des Menſchen, abgeſehen von der Wirkung des Heiligen Geiſtes. Dann bezeichnet der Ausdruck die dritte Perſon der Gottheit, den Heiligen Geiſt. Drittens ſtellt beſonders Paulus das pneuma oft in Gegenſatz zur sarx und meint damit den Geiſt, der im Chriſten lebt, im Gegenſatz zu ſeinem Fleiſche, der mit dem Fleiſche im Kampfe ſteht. Welche Bedeutung gilt an unſerer Stelle? Die erſte Bedeutung, rein pſychologiſch als Seelentätigkeit des Menſchen, kommt hier nicht in Betracht. In der chriſtlichen Kirche hat es nach der Zeit des Ambroſius und Chryſoſtomus