# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1858_S329 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wider den Chiliasmus. 329 mus,“ die bereits im „Lutheraner“ im Auszug gegeben worden ist, die in den „Zeichen der Zeit“ abgedruckte chiliastische Predigt Hrn. Pf. Löhe's widerlegt wird. Auch dieses Schriftchen ist es werth, daß es unseren amerikanischen Brüdern in einem Auszuge mitgetheilt werde, den wir in Folgendem geben. Bedenklich muß ich es finden, daß der Verfasser für ein ihm in der Krankheit neu aufgegangenes „Licht“ (S. 4) ausgiebt, was er nachher vorträgt. Man sollte sich doch nicht so schnell trauen, namentlich in Krankheiten nicht, und zwar wenn es nun gar gegen die Lehre der Kirche angehen soll, wie es hier gewaltig gegen sie angeht. Das sagt die Predigt freilich nicht, setzt sich auch mit der Kirchenlehre nicht im mindesten auseinander, sie behauptet nur — und wirft auf die Kirchenlehre den Schein, als ob dieselbe der Schrift nur nicht recht unterthänig sein wollte. — Bedauern muß ich die Weise, wie Pauli Worte im Texte in ihr gerades Gegentheil verkehrt werden. Gehen wir nun die Predigt für unsern Zweck, nämlich den Chiliasmus darin kurz darstellend, durch. Der erste Theil behandelt die Frage, von welcher Auferstehung der Todten St. Paulus im Texte rede und der zweite beschreibt das Entgegenkommen zu derselben. Im dritten kommen dann demgemäße Nutzanwendungen. I. Der erste Theil geht sogleich, den Text bei Seite lassend, von der Offenbarung Johannis (20. 5) aus, um von daher Licht in den Philipperbrief zu bringen, und zu zeigen, daß Paulus (V. 11) unter Auferstehung der Todten nicht das versteht, was wir im dritten Artikel bekennen, sondern etwas andres, davon unsre Kirche bisher nichts gewußt hat. Eine falsche Weise auszulegen: denn man soll nicht das Evangelium nach der Weissagung erklären, sondern die Weissagung aus dem Evangelio. Wie hier die Predigt, so schreiten sonst alle Schwärmer vor, und auf diese Weise macht man leicht ein Zerrbild vom Christenthum. Indem Löhe nun Off. 20, 5 auslegen will, meint er, die dort erwähnte erste Auferstehung erfordere eine zweite, die auch am Schlusse des Capitels der Offenbarung erwähnt werde. O ja gewiß! nur frägt sich's, wie die beiden Auferstehungen zu verstehen sind; und wenn er nun diejenigen, welche unter der ersten Auferstehung mit unserer Kirche die Erneuerung und Bekehrung der Menschen verstehen, als nicht recht gläubig vorstellt, so gibt er diesen Vorwurf zugleich dem Apostel Paulus, der Röm. 6 von uns sagt, daß wir durch die Taufe mit Christo gestorben und begraben und nun durch seine Auferstehung schon im neuen Leben sind — und wie oft redet derselbe sonst auch von dem neuen Menschen auf Grund des in den Tod gegebenen alten. Da ist unsre Person doch als eine neue aufgestanden, Col. 2, 13. Eph. 2, 5 f. Ebenso redet der alte Simeon vom Fall und Auferstehen Vieler in Israel, ohne die leibliche Verklärung damit zu bezeichnen. Ja Christus selbst nennt den Glauben ein schon vom Tode zum Leben Hindurchgedrungensein (Joh. 5, 24) und in einer andern Stelle sagt Er (Joh. 6, 40): Wer den Sohn siehet und glaubet an Ihn, hat das ewige Leben (das ist doch das zweite himmlische Leben) und Ich werde Ihn auferwecken am jüngsten Tage. Da lehrt Christus im genauen Sinne Eine leibliche Auferstehung, geistig gefaßt aber damit