# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1858_S327 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ströbel und „Lehre und Wehre.“ 327 als „„papengente Partei““ erscheinen. Hätten sie doch nach apostolischer Weisung die mehr als hundertmal fruchtlos vermahnten Häretiker in ihrer verdüsterten Halsstarrigkeit dahingehen und immerhin ihre „„aus Preußen ausgewanderten Luderaner, Rülze, Filze, Schalksohren, Maulwürfe““ wegen eines Pferdes⸗ oder Kuhstalls in den Bann thun, oder der, „„Gottes Wort mit Kuhaugen ansehenden Rotte Korah““ von Buffalo verkündigen lassen, „„der Teufel werde sie bei lebendigem Leibe auf einer Schinderkarre zur Hölle fahren.““ (Grabau's zweiter Synodalbr. 1850, S. 32.) So aber haben die missourischen Theologen durch ihr „„brüderliches““ Friedesuchen bei solchen, mit denen in That und Wahrheit keine Glaubensbrüderschaft besteht, sich nicht nur viele vergebliche Noth und Mühe gemacht, sondern auch ihrem Amtsstreite ein ganz falsches Aussehen, zumal bei den Draußenstehenden, gegeben, — und was das Allerschlimmste ist, sich endlich gar zu dem, einen Abgrund von Mißverständnissen und Gefahren einschließenden, Satze: Sym- bola scripturam interpretantur, hindrängen lassen, womit das Formalprincip der evangelischen Reformation und diese selbst in Frage gestellt wird. (Unbedingt ist das Gegentheil jenes Satzes festzuhalten; Gottes Wort interpretirt alle Glaubensbekenntnisse, wird aber selbst von keinem Symbol und keiner Confession interpretirt, — dabei bleibe ich, trotz meiner gleichfalls unerschütterlichsten Ueberzeugung, „„daß alle Schriftauslegung, die einen andern Lehrgehalt zu Tage fördert, als der in unseren Symbolen niedergelegte ist, eine falsche sei, sollte dieselbe auch einen Apostel, ja einen Engel des Himmels zum Urheber haben.““ Die Missourier haben unverkennbar ihren ominösen Satz aus jener, für die evangelisch⸗lutherische Kirche schon so unheilvoll gewordenen Pandorenbüchse genommen, aus der einst Flacius die Substantialität der Erbsünde und Amsdorf die Schädlichkeit der guten Werke entlehnte: — aus der Ueberspannung einer halben Wahrheit.) — Möge die himmlische Hand, welche die missourischen Gemeinen aus dem Stephanschen Wirrsal errettete, sie noch rechtzeitig von dem neuen Labyrinthe zurückführen, an dessen doppelflügeligem Eingangsthore sie bereits zu stehen scheinen.“ So weit Ströbel. Was nun vorerst den Vorwurf betrifft, den uns Ströbel hier darüber macht, daß wir nicht früher mit Grabau völlig gebrochen und die Hoffnung einer Einigung nicht früher aufgegeben haben, so wollen wir dies auf sich beruhen lassen. Was jedoch den Vorwurf betrifft, daß wir uns zu dem Satze haben hindrängen lassen: „Symbola scripturam interpretantur“ („die Symbole legen die Schrift aus“), so müssen wir diesen Vorwurf auf das entschiedenste zurückweisen, denn nie und nirgends haben wir diesen Satz aufgestellt. Wir haben vielmehr ausdrücklich bezeugt: „Mit gutem Bedacht hat unsere Synode nicht geschrieben: „„Lutheraner haben die Schrift nach den Symbolen auszulegen,““ sondern: „„Lutheraner als solche.“ Hiermit haben wir uns, achten wir, deutlich genug ausgesprochen, daß wir mit jener Forderung keines Menschen Gewissen an menschliche Aussprüche als