# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1904_S38 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 38 Verhandlungen der zwanzigſten Verſammlung Als die Paulskirche in London gebaut wurde, traten zuerſt Nichthandwerker, und zwar meiſtens Gelehrte, dieſem Bunde bei, und die alte Brüderſchaft erhielt durch den Einfluß dieſer Leute eine bedeutende, durchſchlagende Um⸗ geſtaltung. Man beſchloß geradezu, die Werkmaurerei in Geiſtesmaurerei umzuwandeln. Dies war im 17. Jahrhundert. Zu Anfang des 18. Jahr⸗ hunderts, um 1717, wurde die Neugeſtaltung in Cultus und Verfaſſung vor⸗ genommen. Ein Prediger, ein Natur⸗ und ein Alterthumsforſcher waren die Leiter der Arbeit. — In dieſer Zeit nun war es, wo in England der eigent⸗ liche Deismus eine geradezu epochemachende Wirkung ausübte. Nun hieß es in den neuen Beſtimmungen der Loge, daß Mitglieder nur zu der Reli⸗ gion verpflichtet ſein ſollen, in der alle Menſchen übereinkommen, das heißt, ſie ſollen gute und treue Männer ſein, Männer von Ehre und Rechtſchaffen⸗ heit, durch welche Benennungen und Glaubensbekenntniſſe ſie ſich auch unter⸗ ſcheiden mögen. Die Loge will alſo dem einzelnen Gliede ſeine Religion nicht nehmen, will ihn aber in der Loge ſo viel und ſolche Religion finden laſſen, der er bei ſeiner Religion, die er hat, zuſtimmen kann. Durch Ein⸗ gehen auf die Lehren des Deismus, die damals florirten, ſchien dies mög⸗ lich, ſonderlich wenn man in Betracht zog, wie der Deismus zur Bibel und zum Chriſtenthum gegenüber natürlicher Moral und Religion ſich ſtellte. So ſind die Grundgedanken der Loge, wie die Freimaurer ſie aus⸗ ſprechen, wenn ſie ſagen: „treue Freundſchaft unter Perſonen zu ſtiften, die ſonſt in beſtändiger Entfernung von einander hätten bleiben müſſen" auf deiſtiſchen Grundſätzen aufgebaut und, wie hiſtoriſch nachweisbar, deiſtiſchen Einflüſſen zuzuſchreiben. Wie viel bewußt oder unbewußt davon auf all die vielen Söhne und Töchter des Freimaurerbundes übergegangen iſt, läßt ſich nicht feſtſtellen. Aber es findet ſich bei allen Logen. Und man kann getroſt von allen Logen ſagen: ſie haben eine Afterreligion, ſie ſind Deiſten. Wollte man aber den Logen nachſagen, es ſei ihr Zweck, den Deismus zu cultiviren, ſo thäte man ihnen (ausgenommen den Freimaurern und Oddfellows) unrecht. Er iſt ihnen nur Mittel zum Zweck, je nachdem die Leute, die ſie in ihre Gliedſchaft bekommen möchten, anzuziehen oder nicht abzuſchrecken ſind. Von einer ſolchen Religion gilt darum ſchließlich auch dasſelbe, was man von der Geheimthuerei ſagen muß: es iſt Speculation. Die Logen wollen dem Religionsbedürfniß, das in jedem Menſchen liegt und das ſchließlich keiner ganz verleugnen kann, entgegenkommen, und zwar in einer Weiſe, die nach ihrer Meinung keiner beſtimmten Religionsrichtung entgegentritt. Wollten ſie eine eigene Religion aufbauen, ſo würden ſie von ihren Gliedern Austritt aus ihren bisherigen Gemeinſchaften fordern müſſen, was ſie nicht thun, wie ja auch die Erfahrung lehrt, daß die Logen⸗ leute in großen Schaaren den Sectenkirchen angehören und das Frontmachen der lutheriſchen und katholiſchen Kirche gegen das Logenweſen nicht begreifen können oder wollen. Trotzdem, wenn die Logen auch nicht Vertreter einer