# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1904_S37 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1904. 37 Wie können wir nur noch, wenn wir ſolche Ausſprüche der Loge hören, über ihr Gottesbekenntniß, Bibelgebrauch, Gebete ꝛc., kurz, über ihre gottes⸗ dienſtlichen Uebungen urtheilen? Wir können nur ſagen: Die Religion iſt in den meiſten Logen weiter nichts als Decoration. Und wie Religion weiter nichts als Decoration iſt, ſo iſt die Geheimthuerei weiter nichts als Specu⸗ lation, eine Speculation auf den Hang zum Geheimnißvollen, wie er vielen Menſchen eigen iſt und wie er ſich je nach der geiſtigen Entwickelung der Menſchheit wiederkehrend bei ganzen Geſchlechtern findet. Weder die Myſterien noch die gottesdienſtlichen Uebungen ſind das eigentlich Weſentliche der Loge, obwohl ſie mehr oder weniger in den Dienſt der Loge gezogen werden. Iſt man aber der Meinung, man müſſe um der gottesdienſtlichen Uebungen willen von einer Logenreligion reden, ſo kann man das ja, man kann das ebenſogut bei den Logen, die keine ſolchen Uebungen haben, die den Namen Gottes nie nennen und gebrauchen, wie bei denen, die ſelbſt den Bibelgebrauch nicht ausſchließen. Das aber, was an ſogenannter Religion da iſt, iſt nichts Höheres als Deismus. Der Deiſt mag Gott nennen oder nicht; er hat nur einen abſtracten Gottesglauben. Er kennt keine außer⸗ ordentliche Offenbarung. Gott iſt da, iſt auch der Urheber des Daſeins der Welt, der große Baumeiſter des Univerſums, aber ohne lebendige, innere Beziehung zur Welt. Darum kennt der Deiſt nur eine natürliche Religion. Sein Ziel iſt eine reine diesſeitige Religion der Tugend und Schönheit. Der Gedanke und Glaube an eine zukünftige, ewige Vergeltung trübt in ſeinen Augen die Sittlichkeit. Trotzdem wird die heilige Schrift als nützliches Buch nicht abſolut verworfen; es iſt ihm nur keine Offenbarung und gilt ihm als „Urkunde der natürlichen Religion". So bei Matthias Tindal († 1733), deſſen Werk: “Christianity as Old as the Creation” als Hauptmanifeſt des Deismus gilt. Zu derſelben Moral, die Bibel und Chriſtenthum lehren, kommt der Menſch bei rechtem Gebrauch ſeiner Vernunft und ſeiner natürlichen Kräfte. So Thomas Chubb († 1747). Dieſem iſt das Weſen des Chriſten⸗ thums daher eine Moral, eine Religion, die einer ganz unabhängig von allem und jedem, was das Chriſtenthum lehrt und bekennt, haben kann. Gott iſt da, aber er iſt nicht nöthig, der Menſch braucht ihn nicht, weder zur Erlangung moraliſcher Lehre und Lebens, noch zeitlicher und ewiger Glückſeligkeit. Wenn ein Deiſt, dem Gott, wie geſagt, eine ohne innere lebendige Beziehung, ja, geradezu von der Welt geſchiedene und verſchiedene Perſönlichkeit iſt, gottes⸗ dienſtliche Uebungen treibt, ſo iſt es gewiß nicht zu viel geſagt, wenn man dieſen Uebungen das Urtheil ſpricht, daß ſie nur Decoration ihrer Sache ſind. Daß deiſtiſche Ideen beim Aufbau des Logenweſens mitgewirkt haben, geht aus der geſchichtlichen Entwickelung desſelben hervor. Der Vater aller Logen, der Freimaurerbund, will hervorgegangen ſein aus der Brüderſchaft der deutſchen Steinmetzen zur Zeit des 13. Jahrhunderts in Deutſchland, während man in England erſt im 15. Jahrhundert Spuren davon findet.