# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1904_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1904. 35 Chriſtum, wie ſich die Brüder nennen, die einig im Glauben ſind, ſondern ſie leiten ihre Bruderſchaft davon ab, daß die Menſchen alle aus Einer Schöpferhand hervorgegangen ſind. Nun könnte man ja vielleicht das hin⸗ nehmen, wenn jemand auf dieſen Grund hin die Menſchen alle Brüder nennen wollte, könnte das hinnehmen, wenn nicht die Bruderſchaft in Chriſto wäre, die einzige wahre, von Gott ſelbſt aufgerichtete, um die eben⸗ falls von ihm ſelbſt durch die babyloniſche Verwirrung zerſtreuten und ge⸗ trennten Menſchen wieder zu verbinden. — Man könnte es hinnehmen, wenn die Loge mit dem Wort Bruder ganz andere Ideen verbände, als wir damit verbinden — man könnte es hinnehmen, wenn der natürliche Ge⸗ dankengang des Menſchen dieſen dazu brächte, ſeine Mitmenſchen ſammt und ſonders als Brüder anzuſehen. Dies iſt aber nicht der Fall. Das hochgebildetſte Volk aller Heidenvölker, aus deſſen Mitte die bedeutendſten Philoſophen hervorgegangen ſind, die alten Griechen, ſonderlich die Athener, ſind bei all ihrer Philoſophie nie auf einen ſolchen Gedanken gekommen. Sie kennen nur Hellenen. Alle andern Menſchen ſind ihnen Barbaren, und nichts verknüpft ſie mit ihnen.*) Die Idee der Bruderſchaft iſt dem Chriſten⸗ thum entnommen, iſt aus der Schrift geſtohlen und auf einen andern Grund gepflanzt worden bei der Loge. Die Bruderſchaft der Loge iſt eine Caricatur der wahren Bruderſchaft. Davon gilt auch, was Luther ſchreibt von den Leuten, die das Evangelium verderben: „Denn das Evangelium muß jeder⸗ mannes Fußtuch ſein, daß alle Welt drüber laufe und mit Füßen trete." Desgleichen trifft ſowohl das Bruderweſen als auch das Morallehren und Fordern der Logenleute, was Luther zu Matth. 7, 23. ſagt: „Der Schmuck und ſchöne Deckel iſt da, eine ſolche Tugend, die das Recht lieb hat und wider das Böſe zürnt und kann's nicht leiden; wie denn das Schwert und Obrigkeit dazu geordnet iſt, daß ſie ſoll Gerechtigkeit handhaben und das Böſe ſtrafen; wie auch Vater und Mutter, Herr oder Frau müſſen zürnen und ſtrafen. Da kommt nun der fromme Schalk, hängt dasſelbe Mäntelchen um, ſpricht, er thue es aus Liebe zur Gerechtigkeit und habe rechte und billige Urſache dazu . . ., und iſt doch im Grunde nichts denn ein ſchändlicher, giftiger Haß und Groll, der ſich ſonſt nicht beweiſen und auslaſſen kann." Und nun ſchließlich die Verheißung irdiſcher Glückſeligkeit, die wir immer wieder bei den verſchiedenſten Logen ausgeſprochen finden. Halten wir dies zuſammen mit dem vorher von der Moral Geſagten, ſo müſſen wir ſagen: Die Loge will in gewiſſer Weiſe dasſelbe, was die Kirche will, nur viel weniger, und das, was ſie will, und ſo, wie ſie es will, iſt verkehrt und unausführbar: ein moraliſches Leben ohne Chriſtum, für die Zeit, das einen zufriedenen Sinn und ein glückliches Herz wirken ſoll. Und *) Der natürliche Menſch fühlt ſich nicht mit der Geſammtmenſchheit verbrüdert. Ihm gelten Kreiſe, Religion und die Raſſe. Hier ſchließt er ſich zuſammen. Von der Geſammtheit ſchließt er ſich ab. Da iſt vieles, was ihn von vielen ſcheidet.