# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1904_S24 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 24 Verhandlungen der zwanzigſten Verſammlung Unter den Dingen, die beſchworen werden müſſen, finden wir vor allem Gehorſam gegen alle Anordnungen der Loge und Geheimhaltung des Logen⸗ werkes denen gegenüber, die nicht zur Loge gehören. Nun muß man be⸗ denken, daß der den Schwur Ablegende die Geheimniſſe der Loge noch nicht kennt, ebenſowenig das Werk der Loge kennt, das er nicht nur kennen lernen, ſondern an dem er auch mitarbeiten ſoll. In gänzlicher Unkenntniß alſo deſſen, was er beſchwört, wenn auch bei einigen Logen unter der Zuſicherung, es ſei nichts, was ihn in Conflict mit ſeinen Pflichten gegen Familie, Staat und Kirche bringen könne, leiſtet er den Schwur. Darüber kann das Urtheil nur lauten, daß das ein leichtfertiges Schwören ſei, das ganz unver⸗ einbar iſt mit der Heiligkeit und Majeſtät des Eides. — Dann iſt als ein Hauptpunkt in dem zu Beſchwörenden zu nennen, daß der Schwörende ver⸗ ſpricht, keinem Logenbruder ein Leid zuzufügen noch es mit anzuſehen, daß einem ſolchen ein Leid geſchieht. Etwas derartiges und noch viel mehr ver⸗ ſteht ſich für einen Chriſten, dem das Gebot gilt: „Du ſollſt deinen Nächſten lieben als dich ſelbſt!" als ganz ſelbſtverſtändlich. Es iſt das etwas, was er weder zu Gottes Ehre noch zum Wohl des Nächſten erſt beſchwören müßte. Der Eid iſt alſo höchſt unnöthig. Um des Eides willen iſt alſo die Loge verwerflich. Aber es iſt eine Reihe von Logen da, die keinen Eid fordern. Der Freimaurer ſagt: „Ich verſpreche und ſchwöre, ſo helfe mir Gott!" In andern Logen ſagt der Aufzunehmende: „Ich verſpreche in der Gegenwart des allmächtigen Gottes!" Sogar der Odd⸗ fellow vermeidet in ſeinem Ritual nicht nur das Wort „ſchwören", ſondern auch bei ſeinem Verſprechen das Anrufen des göttlichen Namens. Er ſagt: „Ich verſpreche feierlich hier vor den verſammelten Brüdern!" und ſchließt mit einer Verpfändung ſeiner Mannesehre. Iſt für uns die Subſtanz eines Eides auch vorhanden und gilt, was Sirach ſagt: „Schwöret er und verſtehet es nicht, ſo ſündiget er gleichwohl", Sir. 23, 13., ſo iſt man doch am Ende ſeiner Operationen, wenn ein Oddfellow oder ein ſolcher Logenbruder, der wirklich keinen Eid abzulegen braucht, uns eine derartige Erklärung macht. Und ferner: Gehört der Eid zum Weſen der Loge? Aendert ein Eid etwas am Weſen einer Sache? Der Eid macht feſt. Der Eid macht ein Ende alles Haders, ſofern es feſt bleibt unter ihnen, heißt es Hebr. 6, 16. Luther überſetzt Hader. Er verallgemeinert mit dieſer Ueberſetzung — ge⸗ wiß nicht unrichtig — das, was im Grundtexte geſagt worden iſt. Daſelbſt ſteht ἀντιλογία, alſo wörtlich: Widerrede, Widerſpruch. Durch den Eid, wie er in der Loge üblich iſt, benimmt ſich alſo der Schwörende des Rechtes, irgendwie zu widerſprechen dem, was die Loge will. Er gibt ihr damit ſeine Zuſtimmung zu allem, was ſie iſt. Er verbindet ſich mit ihren Inter⸗ eſſen, Anſchauungen, Ideen ꝛc. und macht dieſe zu ſeinen eigenen. Dies liegt im Eide. Mögen die perſönlichen Anſchauungen des Schwörenden denen der Loge widerſprechen, durch ſeinen Eid iſt er gebunden, er ſteht am πέρας πάσης ἀντιλογίας, am Ende jeglichen Widerſpruchs.