# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1904_S12 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 12 Verhandlungen der zwanzigſten Verſammlung empfindeſt bei dir ſelbſt inwendig ein beißend Gewiſſen, das die Sünde drückt, das Gnade begehrt oder ſich vor dem Tod oder Hölle fürchtet und gerne ſtark wäre, und alſo mit gutem Vertrauen auf Chriſti Wort das Sacrament ſucht und nimmt, ſolche Gnade, Stärk und Hülfe zu holen. Denn eine hungrige, dürftige, gedrückte und geängſte Seele fordert dies Sacrament, die ſich ſelbſt hinzudränge, unangeſehen Pabſts Geſetz oder Un⸗ geſetz, ſondern nur ſeine eigene Nothdurft, in guter Zuverſicht. Denn das Sacrament kann nicht leiden, daß man die Leute hinzutreibe oder dringe, ſondern ſie ſollen, durchs Evangelium gelernt, von ihnen ſelbſt aus hungrigem Glauben darum bitten und dringen. Das iſt die Prüfe des Glaubens und inwendig." — Hieran ſchließen ſich dann die vorher citirten Worte von der Prüfung, daß man anſehe ſein äußerlich Weſen. Dasſelbe lehrt Luther in den zur Selbſtprüfung verfaßten „Chriſtlichen Frageſtücken" mit ihren Hauptfragen: „Glaubeſt du, daß du ein Sünder biſt?" „Sind dir deine Sünden auch leid?" und: „Weß tröſteſt du dich denn?" Δοκιμαζέτω δὲ ἄνθρωπος ἑαυτόν, καὶ οὕτως ἐκ τοῦ ἄρτου ἐσθιέτω καὶ ἐκ τοῦ ποτηρίου πινέτω. οὕτως, alſo, als einer, der dem Befehl der Selbſtprüfung nachkommt, ſoll er eſſen und trinken. Dies οὕτως macht die Selbſtprüfung zu einem unbedingt nothwendigen Erforderniß für jeden Com⸗ municanten. — Wie viel hat nun der das Sacrament verwaltende Prediger damit zu thun? Das iſt für uns die Frage. Als ein Biſchof, der lehrhaftig ſein ſoll, muß er andere belehren; als einer, der das Amt des Ermahnens hat, dazu anhalten und ermahnen; als einer, der ein Hirte iſt, dazu anleiten, mit helfen, darin unterſtützen, wie ſolches bei uns bei der Abendmahls⸗ anmeldung, desgleichen auch durch die bei uns vor der Beichte übliche Beichtrede geſchieht. Ob nun ein Beichtkind, ſonderlich was die „inwendige Prüfe" anbelangt, ſolche Selbſtprüfung mit allem gebührenden Ernſt und Treue vornimmt, das entzieht ſich der Beurtheilung des Beichtvaters; daher iſt er auch, wenn er ſeines Amtes in der eben genannten Weiſe als Hirte und Biſchof treu waltet, jeder Verantwortung überhoben. Aber eins entzieht ſich ſeiner Beurtheilung nicht, und in dieſem Punkte iſt und bleibt er verantwortlich. Wenn ein Communicant ſich prüfen ſoll, wie es hier gefordert wird, dann muß er im Stande ſein, ſich zu prüfen, er muß ſich prüfen können. Hierüber kann und muß ein rechter Prediger ſich ein Urtheil verſchaffen in Beziehung auf diejenigen, denen er das Sacrament reicht. Das entzieht ſich ſeiner Beurtheilung nicht, ob jemand ſich prüfen kann. Dafür iſt er darum auch verantwortlich, daß die, die unter ſeiner Seelſorge das Sacrament empfangen, Leute ſind, die ſich prüfen können, während er dafür, ob ſie ſich wirklich prüfen, nicht verantwortlich iſt, ja, ſich ja nicht einfallen laſſen ſoll, bei Abweiſung oder Zulaſſung nach ſeiner mora⸗ liſchen Ueberzeugung zu handeln, ob er es mit einem wahrhaft Gläubigen zu thun hat oder nicht. Nur offenbares Unchriſtenthum kann da eine Rolle ſpielen.