# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1904_S11 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1904. 11 reſtauriren, wenigſtens das Seine zu einer Regulirung zu thun. Scheitern ſeine Bemühungen an dem Widerſtande der andern Seite, ſo iſt er natürlich frei. Aber auch der Prediger hat die Pflicht, wenn ſolche Mißſtände offenbar ſind, ſolchen Gang von ſeinem Beichtkinde zu fordern, ihn mit allem Ernſt und aller Treue dazu zu ermahnen und, wenn nöthig, hülfreich dabei zu unterſtützen. Er darf ſolches nicht auf ſich beruhen laſſen, ſondern muß, will ſein Beichtkind ſich nicht von dieſem Gottesbefehl leiten laſſen, Sus⸗ penſion vom Sacrament eintreten laſſen, bis dieſer Chriſtenpflicht Genüge geleiſtet iſt. Hierher gehört auch, was Luther zu 1 Cor. 11, 28. ſagt, da er ſchreibt, nachdem er von der inwendigen Prüfung, der des Herzens, geredet: „Aufs andere ſteht die Prüfung darin, daß du anſeheſt dein äußerlich Weſen, ob du auch Liebe gegen deinen Nächſten beweiſeſt und ihm dienſt. Findeſt du nun ſolche Prüfe nicht in dir, ſondern lebeſt wie vorhin, ſteckeſt noch in Untreu, Haß, Geiz, Zorn, Unglauben, o Lieber, ſo bleib ja von dieſem Sacrament, bis du ein anderer Menſch werdeſt; laß dich nicht den Haufen, noch Pabſts Geſetz noch Gewohnheit hinzutreiben." Derſelbe (in einer Predigt vom Jahre 1522): „Ach HErr Gott, wenn man dieſe Lehre wohl triebe, da ſollteſt du ſehen, wo jetzt Tauſend zum Sacrament gehen, da würden ihrer kaum hundert hingehen. Alſo würden der greulichen Sünden weniger, die der Pabſt mit ſeinem hölliſchen Geſetz in die Welt geſchwemmt hat; ſo kämen wir zuletzt zu einer chriſtlichen Verſammlung, die wir jetzt faſt eitel Heiden ſind unter chriſtlichem Namen; dann könnten wir von uns ſondern, die wir an ihren Werken erken⸗ neten, daß ſie nicht glauben noch lieben, das uns jetzt noch unmöglich iſt." Das Recht der Suspenſion vom Sacrament darf ſich ein Prediger nicht nehmen laſſen, will er nicht in die Lage kommen, ſich fremder Sünden theil⸗ haftig machen zu müſſen, 1 Tim. 5, 22., wovor der Apoſtel ſo ernſtlich warnt. So ſchreibt Luthers Freund Amsdorf, den Luther zu den „höchſten und fürnehmſten Theologen" rechnet: „Wenn das Conſiſtorium wollte den Miniſtris clavem ligantem, den Bindeſchlüſſel, nehmen und denſelben nicht frei laſſen, oder die heimliche Suspenſion vom Sacrament hindern und verbieten, ſo kann und ſoll man darein nicht willigen." Nicht nur das Recht muß ſich der Prediger wahren, ſondern er muß auch davon Gebrauch machen, wo ein ſich nicht Beugenwollen unter das ὕπαγε, πρῶτον διαλλάγηθι ſolches fordert. Wir gehen über zu der apoſtoliſchen Ermahnung 1 Cor. 11, 28.: „Der Menſch prüfe aber ſich ſelbſt, und alſo eſſe er von dieſem Brod und trinke von dieſem Kelch." Luther ſagt dazu: „Der Menſch prüfe aber ſich ſelbſt, das iſt, ein jeglicher ſehe zu, wie er glaube in dieſem Abendmahl, was und wozu er's empfahe. Die Prüfung ſteht aber an deinem ganzen Leben, nämlich daß du