# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1904_S8 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 8 Verhandlungen der zwanzigſten Verſammlung ernſtlich davor gewarnt, den Nächſten zu richten, ein verdammendes, ab⸗ ſprechendes Urtheil über ihn zu fällen. Mit V. 15. aber geht er darauf über, daß ſeine Jünger doch nicht urtheilslos daſtehen ſollen. Was lehrt nun der HErr hier? Heiligthum und Perlen, geben und werfen, Hunde und Säue ſind dasſelbe. Doch iſt zu beachten, daß Chriſtus ſagt: τὸ ἅγιον und dann τοὺς μαργαρίτας ὑμῶν. Er ſagt ſeinen Jüngern von dem Heilig⸗ thum, daß es für ſie ihre Perlen ſeien, etwas, womit ſie ſich ſchmücken, was ihr Schatz, ihre Freude ſei; ihre Perlen, etwas, was ihnen zukomme, ihnen gehöre, was ſie zu würdigen wiſſen, deſſen Werth ſie erkennen und verſtehen. Dies ſoll nicht den Hunden und Säuen gegeben werden. Mit Hunden und Säuen meint der HErr nicht beſonders grobe und ſchmutzige Sünder — mit denen ſetzt er ſich zu Tiſche und ißt mit ihnen, redet mit ihnen, z. B. am Jakobsbrunnen, und läßt ſich von ihnen anfaſſen und die von ihren Thränen benetzten Füße mit ihrem Haupthaar trocknen. Das Bild der Hunde und Säue iſt um des Bildes der Perlen willen gewählt. Mit Heiligthümern und Perlen wiſſen dieſe Thiere nichts anzufangen. Sie kennen ihren Werth und Gebrauch nicht, lernen ihn auch nicht kennen, ſolange ſie Hunde und Säue bleiben. Die Heiligthümer und Perlen ſind auch nicht für ſolche wie ſie, ſon⸗ dern für euch, will der HErr ſeinen Jüngern ſagen. Ihr haltet ſie für einen Schatz und Schmuck. Dazu ſind ſie da, dazu ſind ſie euch gegeben. Wo man ſie dazu nicht gebraucht, ſollt ihr ſie nicht hingeben, auch nicht mit dem Ge⸗ danken, ihnen etwas Gutes und Liebes zu thun, ihnen ſie nicht anbieten. Ihr ſollt ſie nicht vor die Hunde und Säue werfen, ſie werden ſie einfach zertreten. Bei der Anwendung des Gleichniſſes liegt es am nächſten, beim Heilig⸗ thum und bei den Perlen an das liebe Evangelium, an den Troſt des Evan⸗ geliums, zu denken. Da ſind dann Hunde und Säue ſolche Menſchen, die mit dem Evangelium nichts anzufangen wiſſen, denen es ein Aergerniß und eine Thorheit iſt, die es gar verkehren und verderben. Luther ſagt: „Es ſind beide, die mit der Lehre und dem Leben das Evangelium verderben; die unſer Evangelium von uns nehmen und lernen, und bringen alſo unſer Kleinod und köſtlichen Schatz, darin wir getauft ſind, leben und uns rühmen, und gehen darnach hin an ihren Ort und fahen an, wider uns zu predigen, und kehren ihren Rüſſel und Zähne wider uns." Doch wie iſt es zu verſtehen, daß wir ihnen nicht geben ſollen? Μὴ δῶτε, ſagt Chriſtus, μηδὲ βάλητε. Es gilt zu beachten, daß der HErr ſagt τὸ ἅγιον und τοὺς μαργαρίτας ὑμῶν. Daß ſie die frohe Botſchaft hören, daß Chriſtus in die Welt gekommen iſt, die Sünder ſelig zu machen, können wir nicht hin⸗ dern, ſollen wir auch nicht hindern; denn wir ſollen hingehen in alle Welt und das Evangelium aller Creatur predigen. Das Evangelium predigen, ja, aber das Heiligthum, unſere Perlen, die ſind nicht für jedermann. Der HErr JEſus redet zu ſeinen Jüngern. Unſere Perlen, den Troſt, die Ge⸗ wißheit, daß Chriſtus unſer eigen iſt und wir Vergebung der Sünden haben,