# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1858_S317 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ungarn. 317 Kirchweg nach dem zweiten Geläute abermal belebt, und die Jugend eilt, um catechisirt zu werden. Wo der Prediger wachsam ist, findet sich die ganze unverheirathete Jugend ein, und die Erwachsenen hören aufmerksam zu. Welch ein Feld für apostolische Männer! Evangelische Kirchenzucht ist vorhanden, und das Presbyterium wacht über öffentliche Aergernisse. Fordert auch Abbitte und Versöhnung mit der Gemeinde, wofür sie Wiederaufgenommene vor Beschimpfungen und Vorwürfen schützt. Die Zucht hat den versöhnlichen Zweck. Brautleute müssen, in der vom Seelsorger bestimmten Stunde, vor ihm erscheinen, um ein Katechismusexamen zu bestehen, und mit der Führung eines christlichen Hausstandes bekannt gemacht zu werden. Eine Einrichtung, welche von Tausenden gesegnet wird. Brautleute, welche das Keuschheitsgebot übertraten, werden ohne jungfräulichen Schmuck, in der Stille getraut. Jeden Morgen, und wo die Gemeinden nicht zu groß für einen Prediger, oder wo zwei Prediger sind, auch jeden Abend, werden in der Kirche Gebete gehalten. Sie sind besonders in Winterszeiten besucht, nie aber leer. Es wird ein Morgenlied gesungen, der Prediger betritt die Kanzel, betet den Segen, liest ein Stück Schrift, fügt einige erbauliche Worte zur Erklärung bei, spricht ein kurzes Gebet, segnet; es wird ein Schlußvers gesungen. Das Ganze dauert eine halbe Stunde. Die Schuljugend wohnt bei. Den Religionsunterricht ertheilt der Lehrer in Katechismus⸗Geschichte und Bibellektionen. Diesen sind wenigstens 6 Stunden wöchentlich gewidmet. Ueberhaupt gilt es als Prinzip, daß der ganze Schulunterricht und die Volkserziehung biblisch sind. Der Prediger ertheilt den Confirmanden⸗Unterricht, hält die Christenlehren, durch welche die Jugend wenigstens bis in's 20. Jahr in steter Uebung erhalten, und daher bibelfest wird. Die öffentliche Andacht besteht nach alter Form. Die Gemeinden duldeten keine Abschaffungen. Die Rationalisten müssen behutsam sein, weil sonst wohl Fälle vorkommen, wo plötzlich die Kirchenschlüssel abgenommen wurden. Die Gemeinden wissen, daß Kirchen und Schulen ihr Eigenthum, und Prediger und Lehrer ihre Bestellten sind. Sonntags wird ein Gesang gesungen, der Geistliche betet am Altare nach Begrüßung der Gemeinde „der Herr sei mit Euch,“ und dem Gegengruße („Und mit Deinem Geiste“) das Morgengebet. Es folgt das Hauptlied, worauf die Epistel verlesen, und in manchen Gemeinden mit einigen erklärenden Worten begleitet wird. Es folgt ein Kanzellied, z. B. Selig sind, die Gottes Wort; Herr Jesu Christ, oder Liebster Jesu, während welchem die Kanzel betreten und über die Perikope gepredigt wird. Allgemeines Gemeindegebet, Abkündigung kirchlicher Sachen, als Aufgebote, Feste, Convente u. dergl., Schlußlied, Segen. Hier und da vom Altare, oder auch von der Kanzel. Nachmittag Gebet,