# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S51 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1902. 51 Marcusevangeliums zu leſen ſteht: „Darnach, da zween unter ihnen wandel⸗ ten, offenbarte er (JEſus) ſich unter einer andern Geſtalt, da ſie aufs Feld gingen. Und dieſelbigen gingen auch hin und verkündigten das den andern; denen glaubten ſie auch nicht“? Nach dem einen Berichte haben ſie geglaubt, nach dem andern nicht. Was iſt da Wahrheit? Und ſo dürfe man nur den Bericht irgend eines Evangeliſten hernehmen, man werde immer finden, er ſtimme nicht mit den andern überein. Wenn es nun aber allerdings un⸗ recht und unbillig geweſen ſei, JEſum zu verurtheilen, weil eben die Zeug⸗ niſſe über ihn nicht übereinſtimmten, ſo ſei es auch unrecht und unbillig, den Glauben an die Auferſtehung JEſu zu fordern, weil die Zeugen, Mat⸗ thäus, Marcus, Lucas, Johannes und auch die andern Apoſtel, ſonderlich Paulus, nicht mit einander übereinſtimmen. Aber ſteht es wirklich ſo, daß die Jünger und Apoſtel JEſu als falſche Zeugen erfunden werden, daß ſie wider Gott gezeugt hätten, er hätte JEſum auferweckt, der doch nicht auferſtanden iſt? Gott ſei Dank, nein! Auch in der Geſchichte der Auferſtehung JEſu enthält die Schrift keine Selbſtwider⸗ ſprüche. Wir wollen den bisher erprobten Weg gehen und aus dem Be⸗ richte der vier Evangeliſten uns klar zu machen ſuchen, was am erſten Oſtertage geſchehen iſt. a. In der Nacht von Charſamstag auf Oſterſonntag ſtand noch an dem geſchloſſenen Grabe die von Pontius Pilatus geſtellte Wache von Kriegsknechten. Matthäus erzählt uns am Schluſſe des 27. Capitels, daß dieſe Wache auf Erſuchen der jüdiſchen Obrigkeit von Pilatus bewilligt wurde. Es möchten ſonſt, ſtellte man ihm vor, JEſu Jünger kommen, den Leichnam ſtehlen und dem Volke ſagen, JEſus ſei von den Todten auferſtanden, und ſo könnte der letzte Betrug ärger werden als der erſte. Pilatus war ihnen auch hierin wieder zu Willen; das Grab wurde mit Hütern verwahrt und der Stein mit obrigkeitlichem Siegel verſiegelt. Die Leute vom Hohenrath hatten alſo offenbar nicht vergeſſen, was JEſus einſt geſagt hatte: „Ich will nach drei Tagen auferſtehen.“ Sie hatten das auch nicht falſch verſtanden, wenn auch nicht völlig, während JEſu Jünger allerdings, wie die Evangeliſten immer und immer wiederholen, nicht ver⸗ ſtanden, was damit geſagt war, und in ihrer jetzigen Stimmung auch an jenes Wort des HErrn nicht dachten. Freilich ſtellten ſich die Glieder des Hohenrathes, wenn ſie an die Möglichkeit dachten, daß JEſus wieder lebendig wurde, darunter kein anderes Leben vor, als wie es das vorige geweſen war, das doch irgendwann wieder mit dem Tode enden mußte. Die erſte Kunde nun, daß JEſus auf wunderbare Weiſe aus dem Grabe hervorgegangen ſei, erhielten in der That nicht die Jünger JEſu, ſondern ſeine Feinde, und zwar durch die an dem Grabe aufgeſtellte Wache. Es geſchah ein groß Erdbeben, leſen wir bei Matthäus, der Engel des HErrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein von der Thür des Grabes und ſetzte ſich darauf. Seine Geſtalt war wie der Blitz