# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S50 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 50 Verhandlungen der neunzehnten Verſammlung Und ich möchte ſagen, obgleich ich kein Walther bin: Wer in einer Welt⸗ geſchichte nicht wagt, geradeaus das Factum zu bekennen: JEſus iſt von den Todten auferſtanden, der kann nicht verlangen, daß man allem, was er ſonſt als Thatſache hinſtellt, mehr als einen gewiſſen Procentſatz der Mög⸗ lichkeit zutraut. Kann man ſich aber über Ranke groß wundern, wenn man ſieht, wie es in dieſem Stücke um die wiſſenſchaftliche Theologie in Deutſchland ſteht? Schleiermacher, der Vater der modernen Theologie, macht in ſeiner „Einleitung in das Neue Teſtament“ darauf aufmerkſam, daß man in der Geſchichte der Auferſtehung nicht dieſelbe Uebereinſtimmung in den Evan⸗ gelien finde, wie etwa in der Leidensgeſchichte. „Es iſt bekannt“, ſagt er, „daß die Erzählungen von der Auferſtehung in dieſer Hinſicht voller Schwierigkeiten ſind, und daß vielfältig die Gegner des Chriſtenthums gerade dieſen Abſchnitt gewählt haben, um die Unzuverläſſigkeit aller Nachrichten in unſern Evangelien überhaupt nachzuweiſen.“ Was aber thut dann Schleiermacher ſelbſt? D. Fr. Strauß charakteriſirt ſein Thun ganz richtig in dem Buche: „Der Chriſtus des Glaubens und der Jeſus der Geſchichte“ (1865), wenn er da ſagt: „Schleiermacher weiſt insbeſondere hin auf die Differenzen zwiſchen den drei erſten Evangelien und dem vierten, die durch die ganze Geſchichte Jeſu hindurchgehe; aber in der Auferſtehungs⸗ geſchichte iſt es nicht bloß dies, ſondern da, kann man ſagen, widerſpricht jeder jedem und ſogar ſich ſelbſt.“ Ja, daß die Evangelien einander in der Geſchichte der Auferſtehung JEſu widerſprechen, das wird in den weiteſten Kreiſen der modernen deut⸗ ſchen Theologie als ein Dogma angeſehen, an dem nur noch die Unwiſſen⸗ heit zweifelt, und dem nur noch die Dummheit ohnmächtige Rettungsver⸗ ſuche der Evangelien entgegenſtelle. Da ſagt man: Nimm doch nur einmal die Geſchichte her von den zwei Wanderern, die nach Emmaus gehen, wie Lucas ſie hat, und vergleiche ſie mit den andern Evangelien, dann ſiehſt du gleich mehrere unlösbare Widerſprüche. Die zwei ſagen zu JEſu: „Es haben uns erſchreckt etliche Weiber der Unſern, die ſind frühe bei dem Grabe geweſen, haben ſeinen Leib nicht funden, kommen und ſagen, ſie haben ein Geſichte der Engel geſehen, welche ſagen, er lebe.“ Demnach müßten doch die Weiber geredet haben, als ſie von dem Grabe zurückkamen; aber bei Marcus heißt es im Gegentheil, daß die Frauen ein Zittern und Entſetzen angekommen ſei, „und ſagten niemand nichts, denn ſie fürchteten ſich“. Eins kann nun doch nur wahr ſein. Weiter heißt es am Schluß dieſer Geſchichte, als die Emmausjünger voll Freude nach Jeruſalem zurückkehrten und die Elfe verſammelt antrafen und die bei ihnen waren, da hätten jene ihnen entgegengerufen: „Der HErr iſt wahrhaftig auferſtanden und Simoni erſchienen“, und ſie, die zwei, hätten den andern dann erzählt, was auf dem Wege geſchehen war, und wie ſie JEſum erkannt hätten an dem, da er das Brod brach. Wie reimt ſich nun wieder damit, was am Schluſſe des